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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 11

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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— 11 — t!--y , .. - - ■ voller Überzeugung ein göttliches Werk, indem ich in ihr die erste Erscheinung der göttlichen Religion selbst erkenne; aber eine Erscheinung gehört der Zeit an, und muß einer andern Platz machen; nur das Wesen derselben, die Religion selbst wird bleiben. — Möge man es glauben, daß die Bibel nach den eignen Worten Gottes niedergeschrieben sei, ich will denen, die davon überzeugt sind, ihren Glauben nicht nehmen, obwohl ich ihn nicht teile; selbst in diesem Falle aber sind nur die Wahr; heiten, die sie lehrt, für alle Zeiten, aber die Gebote, deren Erfüllung sie befiehlt» die Form, welche sie dadurch der Religion in ihrer Erscheinung gibt, kann nur für die Zeit sein, in der sie gegeben. Wenn wir die wahre Freiheit nicht im Gebiet der Religion verlieren wollen, und ihre Bestimmung ist nicht, sie zu unterdrücken, sondern sie zu ihrer höchsten Verwirklichung zu erheben, so dürfen wir weder unsre Überzeugung, noch unfern , ’ Willen unbedingt einer fremden Autorität unterwerfen, an der wir nicht selbst einen Anteil haben, wie dies im Verhältnis des Einzelnen zum Staat und zur Kirche der Fall ist. Die Religion will unsre Lehrerin sein für Wahrheiten, die wir zu begreifen, wenn auch nicht zu ergründen vermögen, unsre Erzieherin für Pflichten, ’ denen wir uns unterwerfen, wenn wir sie als solche erkannt oder auch nur gefühlt haben; aber sie will und darf nie die despotische Herrscherin unsres Willens oder . 2 gar unsrer Überzeugung sein, denn sie will uns zu wahrhaften Menschen, das heißt - zu freien, und nicht zu Sklaven machen. Wer die Worte der Bibel zählt, und sie j zum ewigen Gesetz der Menschheit machen will, der macht diese Worte zu Fesseln, ' in die er nicht nur die Menschheit, sondern auch den Geist der Bibel selbst schlägt. Er tötet die Seele, indem er den Körper unsterblich machen will. Ich ehre die Bibel, ich bewundre sie, aber weil ich sie ehre, weiß ich in ihr zu unterscheiden, was für die Ewigkeit, und was nur für eine Zeit ist, weil ich sie bewundre, kann ich nicht den toten Buchstaben, sondern nur den lebendigen Geist, der in ihr weht, für das wahre Wesen derselben halten. Dieser Geist aber ist derselbe, von welchem auch das Judentum unsrer Zeit belebt und bewegt wird; ihm also haben wir zu folgen und seinen Worten zu gehorchen, gleichviel ob es dasselbe oder ein anderes sei, was er vor drei Jahrtausenden von unfern Vätern forderte. Dr. Theodor Kerzl über sich selbst. Ich bin 1860 in Budapest geboren, nahe der Synagoge, in der jüngst mich der Rabbi mit den strengsten Worten anklagte, weil, eigentümlich!, ich für die Juden mehr Ehre und größere Freiheit, als sie gegenwärtig genießen, zu erlangen versuche. Aber an der Vorderthür des Hauses in der Tabakgasse, wo ich das Licht der Welt erblickte, wird nach 20 Jahren ein Zettel mit der Anzeige ,Zu vermieten' zu lesen sein.

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