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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Geräusch, bald in der tiefsten Ruhe der Massen, bald in der größten Abweichung von den gewöhnlichen Erscheinungen des Lebens, bald in der möglichsten Annäherung an dieselben. — Die Religion darf nicht der Mode des Tages folgen, und mit ihren zeremoniellen Formen leichtfertig wechseln; denn auch in der Achtung vor dem Hergebrachten, in den Erinnerungen der Jugend liegt ei» mächtiger Hebel für den Eindruck, den sie auf das Gemüt ausüben; sie darf sich aber auch nicht durch starres Festhalten alles dessen, was einmal durch den Gebrauch geheiligt ist, der Gefahr aussetzen, sich in Formen zu bewegen, die von dem heutigen Geschlecht nicht mehr verstanden werden, und darum als tote Formen zu einer mechanischen Handlung werden müssen, welche mit stumpfer Gleichgiltigkeit ausgeübt wird und bei der wir eben nichts, und am wenigsten Andacht empfinden können. — Sie muß noch mehr darauf bedacht sein, sich derjenigen Formen zu entledigen, welche im schroffen Widerspruch mit der Sitte der Zeit als unschön und lächerlich erscheinen, und die religiöse Handlung, welche sie erheben sollen, nur herabziehen können. Vor allem aber darf sie diese Formen eben nur für Formen gelten lassen, die in ihrer bestimmten Gestaltung niemals selbst eine religiöse Geltung, und als solche ein Recht auf ihre unveränderliche Dauer gewinnen könnten. Wenn es demnach schon schwierig ist, einzelnen Religionshandlungen eine entsprechende und würdige Form zu geben, so ist die Konstituirung eines zeitgemäße» Gottesdienstes eine noch viel bedeutsamere und schwierigere Aufgabe. Denn es soll derselbe nicht nur den Anforderungen unserer Zeit genügen, sondern er muß auch seinem Inhalte und seiner ganzen Erscheinung nach ein jüdischer Gottesdienst bleiben. Wenn aber im Leben die Besonderheit des Juden immer mehr verschwinden muß, so wird sie im Gebiet der Religion, und besonders in ihrer äußeren Erscheinung desto entschiedener festzuhalten sein. — Man wird also nicht leichthin den Stab brechen dürfen über die alte Form des Gottesdienstes, sondern die mächtige Wirkung wohl zu beachten haben, welche einzelne Elemente, ja welche der Grundton des alten, aus dem geschichtlichen Boden des Judentums hervorgegangenen Ritus auf das Gemüt auszuüben vermag. Man wird auch hier nicht einen neuen Bau aufzuführen, oder durch Aufnahme von Formen des christlichen Gottesdienstes den unsrigen zu verdrängen haben; man wird vielmehr auch hier nur den nutzlosen Bauschutt hinwegräumen müssen, den die Sorglosigkeit von Jahrhunderten in ungeheueren Massen aufgehäuft hat, die schnörkelhaften Zierarten entfernen, mit welchen ein geschmackloses Zeitalter die einfachen Formen des ursprünglichen Baues entstellte und nian wird diesen als einen schönen und edlen erkennen, der der Fortführung und Vollendung, aber nicht des Einreißens würdig ist. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, auf einzelne Vorschläge zur Umgestaltung des Kultus einzugehen, wir haben nur die Notwendigkeit einer solchen Umgestaltung Nachweisen, und auf die Richtung im Allgemeinen hindeuten wolle», der sie zu folgen habe. Wir bezeichnen diese Umgestaltung als ein Recht, ja als

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