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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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der Bekenner suchen. Oder wollen wir das Aufgehen nuferer Glaubensgenossen in die deutsche Nationalität, ihre Liebe zum Vaterlande und ihre Hingabe für die Interessen des Gesammtwohls als ein Hinaustreten derselben aus der Religion des Judentums betrachten? wollen wir mit den blinden Eiferern für eine starre Orthodoxie alle diejenigen für Abtrünnige vom Judentum erklären, welche sich von Formen losgesagt haben, die ihrem Verständnis und ihren Gefühlen fremd sind, und von Vorschriften, durch deren Befolgung sie sich in ihrer Wirksamkeit für allgemeine Interessen beschränkt sehen? Wollen wir nur diejenigen als wahre Juden bezeichnen, die keine Pflicht anerkennen außer denen, welche in den Gesetzbüchern des Judentums verzeichnet sind, keine Gottesverehrung, die sich nicht in den hergebrachten Formen bewegt, keine Frömmigkeit, der nicht eine jede Vorschrift der Bibel und des Talmund gleich heilig ist? Nein, wir stehen nicht an, die innere Entwickelung des Judentums im Bewußtsein und im Wirken unserer Glaubensgenossen zu erkennen und anzuerkennen; aber wir fühlen auch das Bedürfnis, für diese innere Entwickelung eine bestimmte äußere Gestalt zu erringen» denn nur durch diese kann die That der Einzelnen auch der Gesammtheit gegenüber eine berechtigte werden; nur durch diese können alle in gleicher Weise derselben teilhaftig sein, und die Religion nach allen Seiten hin ihr Anrecht ans Leben wieder gewinnen. Was also muß geschehen, damit die Religion wieder in ihr natürliches und notwendiges Verhältnis zum Leben trete, damit die innere Entwickelung derselben sich zu einer äußern Thatsache gestalte? Wir erhalten hier zunächst wieder dieselbe Antwort, die uns bei der Frage über die geschichtliche Entwickelung des Judentums aus seiner Vergangenheit wird. Das Judentum muß sich ein Organ schaffen, durch das es mit seinem eigenen Leben wiederum ins Leben der Zeit eintritt, ein Organ, das der Staat, als die sittliche Macht der Zeit, durch seine Anerkennung zu einem lebendigen Gliede seines, eigenen Organismus erhebt, und dem er zugleich die Kraft verleiht, die Entwickelung des Judentums im Namen der Gesammtheit zu vollbringen. Die Religion soll in ihrer selbstständigen äußern Erscheinung zu einer lebendigen werden, sie soll in der Form der religiösen Handlungen, in der Gestaltung des gemeinsamen und öffentlichen Gottesdienstes überall das Gepräge des Lebens an sich tragen, damit dieselben vom Leben begriffen und in ihrer Würde und Bedeutung empfunden werden, um auf eine angemessene Weise aufs Leben wirken zu können. Jede religiöse Handlung bedarf einer bestimmten Form, durch welche sie an Würde gewinnen, und uns ihre Beziehung zur ^allgemeinen Gottesverehrung vergegenwärtigen soll. In keinem Gebiete aber ist das Leben einem so raschen und mannigfaltigen Wechsel unterworfen, als in der Vorstellung von dem, was einer einzelnen Handlung Würde zu verleihen vermöge. Denn bald wird sie in der glänzendsten Pracht, bald in der größten Einfachheit gefunden, bald in dem wogenden

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