Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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283 gefangener Inden und ein Fonds für das heilige Land gegründet. Das Studium des Talmuds wurde in Bevis Marks außerordentlich gepflegt. Die Geschichte der Synagoge weist Namen auf, welche sich in der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Wissenschaften dauernde» Glanz erworben haben. Salomo Aylon, Sasporta, Nieto, Mesqnitta und viele andere. Die glänzende Reihe wird würdig abgeschlossen durch den Namen Moses Gaster. — Bei der Neueröffnung des Reichstags in Kopenhagen wurde Herr Herrman Wer mit der bis jetzt höchst existierenden Majorität (95 von 97) zum ersten Vorstand und Leiter des Folkethings ernannt. Hleferate und Mitteilungen. Dir Poesie der Gebete Israels. Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Übbertragung. Von Dr. I. Goldschmidt, Großherzogl. Rabbiner zu Offenbach a. M. Mainz, Joh. Wirth'sche Hofbuchdrnckerei. In diesem Buche ist der Geist und der Gehalt der alten Gebete so glücklich in der Ausdrucksweise und den Formen der modernsten Gegenwart zur Darstellung gebracht, daß wir von ihm nicht nur eine Hebung der Hochachtung vor dem alten Gebetbuche der Synagoge, sondern auch nach der andern Seite eine Bereicherung des modernen Empfindens durch den poetischen Gehalt der Andachtsergüsse der Synagoge erwarten dürfen. Was der wissende, denkende begeisterte Israelit bisher als Ideal empfunden und als These, als Postulat aufgestellt: daß „Judentum" und „ewig Menschliches" nicht Gegensätze, sondern identisch seien, — das ist hier in Bezug auf das Gebetbrrch durch die That vor das Auge gestellt. Das ganze alte Gebetbuch hat der Dichter poetisch bearbeitet, nicht ein Stück ist ausgeschlossen! Der Dichter hat uns Teile, denen wir Modernen religiös sehr fern stehen, poetisch außerordentlich nahe gebracht. Wenn man die übersetzten Gebete ohne Hinweis auf das betreffende Gebetstück und die demselben zugrunde liegende Zeremonie liest, glaubt man ein Originalgedicht vor sich zu haben, das zu jedem Menschen als Menschen spricht. — Wie viel Liebe zu seinem alte» Gebetbuche mußte der Dichter im Herzen tragen, um sich an eine solche Aufgabe zu machen! — Aber auch: wie viel poetisches Vermögen mußte dieser Liebe zur Seite stehen, um eine solche Aufgabe mit glücklichem Erfolge zu lösen! Und in der That ist Dr. Goldschmidtkein Neuling auf dem Gebiete poetischen Schaffens, nicht nur kennt ihn der Leser israelitischer Blätter seit Jahrzehnten als fruchtbaren jüdisch-religiösen Dichter und Schriftsteller, sondern er hat sich schon vor 20 Jahren als Übersetzer des großen ungarischen Dichters Petöfi (Reclam'sche Universal-Bibljothek Nr. 1761 und 1762) mit großem Beifall in die Weltliteratur eingeführt. Er hat seit seiner Petöfi-Übersetzung kein Erzeugnis seiner weltlichen Muse der Öffentlichkeit übergeben. Das vorliegende Werk, „Die