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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-12-01 · Heft 12 (1.12.1901) · p. Seite 276

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 12 (1.12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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276 » TSÜglBl Ar. K. KMgebauer über das Kyetto in Amsterdam. Auf allen Hausschildern befinden sich portugiesische Namen, über vielen Thüren Inschriften in hebräischen Lettern, alle ohne Punktationen, lauter Konsonanten, so daß sie nur Eingeweihte zu entziffern im Staude ist. Noch vor zehn Jahren bildeten die Juden ein Zehntel der ganzen Bevölkerung von Amsterdam; wie der Prozentsatz sich heute gestaltete, weiß ich nicht genau, indessen will es fast scheinen, wenn man alle die Straßen durcheilenden Händler betrachtet, als ob er sich eher erhöht als vermindert hätte. In einer finsteren Zeit . . . fanden die aus ihrem Vaterlande vertriebenen portugiesischen Inden eine Freistadt in den Niederlanden, die auch um ihre Unabhängigkeit und freie Religionsübung zu kämpfen hatten; auch ans. dem düsteren Deutschland jener Tage flüchteten viele nach Amsterdam, dem sie den Namen eines zweiten Jerusalems gegeben hatten! In neun Synagogen halten sie jetzt ihre Gottesdienste, die größte ist die der portugiesischen Juden, die in Nnideratraat gelegen, von Dorsman im Jahre 1670 erbaut wurde. Man betritt sie durch einen Vorhof, in dem zwei einsame Bäume stehen; ihr Inneres ist ohne Prunk, einfach und schlicht, fast nüchtern. ... Am Abend, in der Stunde, da der Tag zur Rüste geht, da die Sonne sinkt wenn die Thüren der Synagogen sich öffnen, vielleicht am besten, wenn Freitags sich die Sabbathrühe auf die sonst so ruhelosen Gassen und Straßen des Amsterdamer Judenviertels herniedersenkt, mag man den Gang durch das Ghettho antreten, dann, wenn das uralte Gesetz von der Heilighaltnng des Feiertags in seine Rechte tritt, wenn die Stunde kommt, für die das Keiner arbeiten soll, „weder Du, noch Dein Sohn, noch Deine Tochter, noch Dein Ochse, noch Dein Esel, noch der Fremdling, der in Deinen Thoren ist." Ein Hauch des alten, strengen und patriarchatischen Mosaismus weht an einem solchen Abend auch heute noch über das Ghetto von Amsterdam. Wenn in den Zimmern der alten Häuser die sonst nimmer müden Lippen der karrenschiebenden Händler verstummen, wenn die Läden sich schließen und der Besitzer'mit seiner Familie sich vor die Thür seines Hauses setzt, wie einst Abraham saß vor seiner Hütte des Abends, als die Männer aus Sodom zum Besuche kamen, und als er bat: „Sind nur zehn Gerechte in Sodom, dann wirst Du sie nicht verderben". Wem die alte Judengasse in Frankfurt a- M., in der Heinrich Heine das schönste Kapitel seines „Rabbi von Bacharach" spielen läßt, der der Frankfurter Maler Oppenheim die Motive, zu seinen schönen Bildern: „Aus dem jüdischen Familienleben" entnahm, die heute nach dem größten Juden, den Frankfurt hervorgebracht, Börne-Straße heißt, und in der als letzter Rest nur noch das alte Stammhaus des reichsten Juden, „Rothschild'sche Haus", stehen geblieben ist, noch im Gedächtnis weilt, der kann sich auch ein Bild von der «Joden Breestraat im Osten der holländischen Hauptstadt t

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