Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969918--6461-2975802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
275 « Die Wissenschaft muß popularisiert werden. Dieser Titel ist das Facit, das ich aus dem nachfolgenden Artikel ziehe. Denn nichts fördert den Fanatismus und den Aberglauben mehr als die Unwissenheit im Volke, das haben wir an den Hexenverbrennungen und - dorribils äiotu — in diesem Jahrhundert an bent Märchen von Ritualmord gesehen. Je mehr also Wissen in das Volk hineingetragen wird, destomehr Bildung wird es erlangen und Vorurteile, Fanatismus und Aberglauben ablegen. Die Wissenschaft muß also aus diesem Grunde popularisiert werden, es soll nicht heißen: „Gesegnet soll der Trunk uns sein Euch das Wasser und nur der Gelehrsamkeit, der Wein " Die „Mysterien", wie man es im Altertum nannte, müssen abgeschafft werden. Ich komme jetzt zu meinem Thema, das mich auf obige Betrachtungen gebracht hat. Den Gelehrten kann ich nichts erzählen — Sapienti sat — ich schreibe für das große Publikum, das in seiner großen Mehrheit das Nachfolgende noch nicht kennt, aber wissen soll. Was wir von den Babyloniern gelernt haben, als das jüdische Volk unter Nebukadnezar nach Babylon geführt worden, ist merkwürdig genug, um es dem großen Publikum mitzuteilen. Wir haben von den Babyloniern die Geschichte von der Schöpfung, von der Sintflut unfern Kalender und noch gar vieles andere gelernt, sogar ihre Sprache haben wir teilweise angenommen. Die chaldäischen Gebete in unserer Tefillah und andere chaldäischen Abhandlungen haben die jüdischen Gelehrten in der Gefangenschaft zu Babylon sich angeeignet. Vor ungefähr 33 Jahren hat Professor Smith von der Universität Oxford Ausgrabungen in Ninive und Babylon beigewohnt und durch die Täfelchen in Keilschrift die vor 2500 und niehr Jahren geschrieben wurden, festgestellt, daß die Schöpfungs- und Sintflutgeschichte fast genau so ist, wie sie die Juden nachher geschrieben haben (Esra ha Sofer!). In neuerer Zeit hat ein Engländer, namens Thomson die Keilschrifttäfelchen abgebildet, beschrieben und übersetzt, die die Bibliothek des Königs Assurbanipal, ein Fund neuester Zeit, bildeten. Aus diesen geht hervor, daß unsere jüdischen Monatsnamen babylonischen Ursprungs sind. Hören wir, was auf zwei Keilschrifttäfelchen steht: „Verschwindet Venus im Monat K i s l e w bei Sonnenaufgang, so wird Hungersnot herrschen." „Wenn die Sonne verstnstert wird im Monat I y y a r giebt es ein Sterben am ersten Tag darauf." Wie gesagt, die Gelehrten wissen dies alles, aber es ist nötig, daß diese Dinge auch ins Volk hineingetragen werden. Salomon Levy.