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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-12-01 · Heft 12 (1.12.1901) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 12 (1.12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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27 i sie weit über die des alten Rom und Hellas hebt. Während es sich hier in der Hauptsache um einfache Nützlichkeitsmaßregeln handelte, wurden diese zwar auch in Israel erhoben, aber gleichsam geadelt dadurch, daß die Träger derselben Geister waren, in denen das sittliche Empfinden seine höchsten Triumphe feierte. Fast zufällig kam mir, nachdem ich diese Zeilen niedergeschrieben hatte, das Buch von Alfred Nossig „Revision des Sozialismus" in die Hände. Wenn ich auch seinem Vorschläge, zur Abhülfe der gegenwärtigen sozialen Not eine Institution, ähnlich dem Jubeljahre, zu schaffen, in welchem eine Regulierung der wirtschaftlichen Verhältnisse erfolgen soll, nicht zustimme, so kann man ihm voll beistimmen wenn er sagt: „Wie einst die große kirchliche Reformation, so muß die Revision der sozialen Religion auf den Urtext zurückgehen. Wie jene, so findet auch diese ihn in der Bibel, vor allem in jenem erleuchteten Gebot, das alle anderen zusammenfaßt und so die Grundlage abgiebt für alle höher-menschliche Kultur „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". So haben wir die schöne Genugthuung, zu sehen, wie die ewigen Wahrheiten der Bibel immer wieder als Heilmittel dienen, wenn man vergebens die Heilskraft anderer Vorschläge versucht hat. Leider wird gerade von jüdischer Seite zu wenig auf die soziale Bedeutung der Bibel hingewiesen. Stets und ständig hören wir im öffentlichen Leben von den sozialen Momenten des Christentums sprechen, sehen eine christlich-soziale Beivegung ins Leben treten, die die sozialen Wahrheiten des neuen Testaments auf ihre Fahne geschrieben hat. Mußten uns alle diese Erscheinugen nicht Anlaß sein, zu schürfen in dem Bergwerk der Bibel, in dem wir, wie wir sahen, lauteres Gold zu Tage förderten, das, wie alles Echte, auch heute noch seinen Marktwert besitzt. Drei wichtige Tage für die Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. aus der letzten Septemberwoche des Jahres 1806. Zu den alten Verboten der Frankfurter Juden gehörte auch unter anderen, daß sie sich niemals auf öffentlichen Spaziergängen zeigen durften. Im Jahre 1806 begriff zwar schon der hochweise Magistrat zu Frankfurt, daß die Juden das Bürgerrecht nächstens erlangen würde», wollte aber, so lange es irgend ginge, sie der alten Schmach ausgesetzt wissen. Der September nahte heran und mit ihm die lange Reihe der jüdischen Feste und diesmal bereiteten sich nicht nur die Juden, sondern auch der Magistrat zu Frankfurt festlich vor. In der Voraussetzung nämlich, daß die Juden, sich schon als freie Bürger fühlend, an den Festtagen

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