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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-12-01 · Heft 12 (1.12.1901) · p. Seite 270

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 12 (1.12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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^—-ij* «. Schuldner behandelt werde», „denn meine Knechte sind es, die ich aus dem Lande Egypten herausgeführt habe, sie sollen nicht verkauft werden, wie man Knechte verkauft. Wer also wirkliche Sklaven haben wollte, mußte zu Ausländern seine Zuflucht nehmen. Die Würde des Israeliten dem Fremdling gegenüber aber wird dadurch gewahrt, daß es dem verschuldeten Israeliten jederzeit offen steht, gegen Erlegung der Schuldsumme frei zu werden. Der zweite Teil des Gesetzes enthält; , die völlig neue Bestimmung, daß das Familiengut, welches entweder durch Schulden oder Verkauf in die Hände Anderer übergegangen ist, von selbst nach 50 Jahren an die Familie zurückfällt. Es heißt: „In diesem Jubeljahr sollt ihr ein jeglicher i wieder zu seinem Eigentum zurückkommen." Die außerordentliche soziale Bedeutung i, einer solchen Maßregel ist leicht zu ersehen. Das Jubeljahr machte alle Israeliten zu freien Bürgern auf freiem Grund und Boden. Im Gesetz wird natürlich mehr die religiöse, wie die wirtschaftliche Seite herrorgehoben, „das Land soll nicht verkauft werden, so daß es erhalten bleibe, denn mein ist das Land, Fremdlinge und k Beisassen seid ihr bei mir." Alle 50 Jahre saß der Bauer wieder auf freier Scholle. y , Wie weitblickend diese Bestrebungen waren, zeigt ein Blick auf unsere bäuerlichen j» Verhältnisse, denen man durch auf ähnliche Ziele gerichteten Bestrebungen, wie Anerben- | recht, Rentengüter, Erbpacht beispringen will. Aber wie allen anderen Reformbestrebungen, l erging es auch dem Jubeljahr. Die ethische Kraft der Propheten und ihrer An- Hänger reichte nicht aus, um derartige Verordnungen dem Volke aufzuzwingen. Von - unten herauf kam ihnen keine Hülfe. Alle flammenden Proteste gegen die Ungerech- I tigkeit der oberen Schichten vermochten die unteren Klassen nicht aus ihrer Lethargie zu kraftvollem Thun emporzureißen. Die Kluft zwischen Reich und Arm, zwischen k Kapital und Arbeit, die durch die Sozialreformen überbrückt werden sollte, verl größerte sich immer mehr, es gab schließlich nur noch Reiche, denen besitzloses k Proletariat gegenüberstand, während der Mittelstand der Bauern verschwunden war. Mit den letztgenannten Reformbestrebungen hatte sich die Kraft des Volkes wenigstens * nach dieser Richtung hin erschöpft. Spätere Versuche, wie die kommunistische Gemeinschaft der Essäer sind kaum zu nennen. Die soziale Frage in Israel, die, i wie wir sahen, eine Frage um Land war, blieb ungelöst. Dem furchtbaren Anprall - Roms konnte Israel, dessen beste Kraft im Mittelstände vernichtet war, dessen obere - Klassen, die seine Führer hätten sein müssen, in öder Abgeschlossenheit dahinlebten, nicht widerstehen. Der jüdische Staat brach unter den wuchtigen Tritten der Legionen zusammen, er hatte seine Existenzberechtigung verloren. — Wir, die wir dieses Ringen um Recht und Gerechtigkeit, diesen Kampf der sittlichen Mächte gegen Egoismus und Herrschsucht als gigantisches Denkmal menschlicher Kraft anstaunen, brauchen nicht nach dem endgültigen Ausgang und Erfolg zu urteilen. Wir können stolz sein auf das, was gewollt wurde. Und gewollt wurde großes, mehr, wie wir sahen, als menschlicher Natur möglich war. Der sittlich-religiöse Gedanke, der die soziale Gesetzgebung Israels durchzieht, ist es, der

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