Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969918--6453-2975794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
267 Schule. Doch gewann Frankel durch gediegene und beredt geschriebene Eingaben die Minister und den freisinnigen Prinzen, nachmaligen König Johann, für die Verbesserung der Lage seiner Glaubensgenossen und schon am 8. Mai 1840 war es ihm vergönnt „angesichts sämtlicher Staatsminister, der Mitglieder beider damals in Dresden tagender Kammern, der Hofchargen, der fremden Gesandten, der Generalität, der höheren Geistlichkeit" u. s. w. eine Synagoge, das reizend an der Brühl'schen Terasse noch heute bestehende jüdische Gotteshaus Dresdens einzuweihen. Noch manches konnte er für seine Glaubensgenossen mit seinen tapferen geistigen Waffen erkämpfen. Seine „Eidesleistung der Juden in theologischer und historischer Beziehung" führte zur Abschaffung des Jndeneides, 1844 begründete er die Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums, 1852 bis 1868 gab er die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums heraus, die einen vornehmen Gelehrtenkreis um ihn sammelte und eine Fundgrube wissenschaftlicher Entdeckung und Arbeiten >vurde. Ein Aufsatz, den er in dieser Zeitschrift im Januar 1853 über „Gründung und Wesen jüdischer Seminarien" veröffentlichte, führte Frankel seinem eigentlichen Lebensberuf entgegen, zu dem er, der eine seltene Kenntnis des uferlosen talmudischen Schrifttums mit echter Wissenschaftlichkeit verband, wie prädestiniert war. Der Kommerzienrat Jonas Fränckel in Breslau hatte nämlich seinen über eine Million Thaler betragenden Nachlaß nur wohlthätigen Zwecken geweiht und bestimmt, daß aus demselben auch ein Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern errichtet werde. Die Kuratoren der Fränckel'schen Stiftungen erkannten, daß Frankel der richtige Mann zur Leitung dieser Anstalt sei. In Gemeinschaft mit mehreren bedeutenden Männern des damaligen deutschen Judentums wurde der Lehrplan der neuen Anstalt entworfen und am 10. August 1854 wurde das jüdisch-theologische Seminar in Breslau eröffnet, das nicht nur den meisten größeren jüdischen Gemeinden der deutsch-sprechenden Länder ihre geistigen Führer gab, sondern auch den später gegründeten jüdisch-theologischen Hochschulen in Berlin, Wien und Pest als Vorbild diente. Fortab lebte Frankel nur der Wissenschaft und seinen Schülern. Die wissenschaftlichen Werke Frankels bleiben unvergängliche Denkmale seines tiefen Wissens, seines klaren Denkens und seines scharfsinnigen Kombinierens. Frankel war in seinem religiösen Lehren und Wirken ebensoweit entfernt von der ungebändigten Zerstörungssucht der einen wie von der gegen alle Forderungen der Zeit sich abschließenden Blindheit und Verstocktheit der anderen. Er war ein Mann der Mitte, vom Geiste der Friedensliebe und Versöhnlichkeit beseelt. Seine Losung war „Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, Fortschritt innerhalb des Glaubens, Erhaltung. Veredelung und Regeneration deS Judentums aus und durch sich selbst". Frankel starb am 13. Februar 1875. Seine letzten Worte waren: Gelobt sei Gott, der das Licht geschaffen hat.