Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Prag, die altberühmte Judengemeinde, blieb nicht zurück. Zur Zeit des Aüflebens der profanen Bildung und der allgemeinen Wissenschaft in der Prager Judenstadt, wurde hier am 30. September 1801 Zacharias Frankel geboren, der bestimmt war, einer der Wiederwecker der wissenschaftlichen Theologie der Juden, der Wissenschaft des Judentums zu werden. Eine uralte jüdische Gemeinde, der ehrwürdige Stammsitz talmudischer Gelehrsamkeit, ward Prag durch die berühmte in ihren Leistungen über die Mitte des jetzigen Mittelschullehrziels hinausreichende deutsche Normalschule auch zur Entwicklungsstätte des schlummernden Bildungstriebes der Juden. Von beiden Eltern her altangesehenen jüdischen Familien entstammend wurde Zacharias Frankel früh in das jüdische Schrifttum eingesührt, in dem sich der Knabe bald eine vielbewunderte Kenntnis aneignete. Aber auch die allgemeine Bildung blieb ihm nicht verschlossen und in tüchtigem, wenn auch auf autodidaktischem Wege betriebenem Gymnasialstudium legte er hier bereits den Grund zu seinen späteren klassischen Sprachkenntnissen. Auf der Universität setzte er seine Studien fort und kehrte 1831 als Doktor nach Prag zurück. 1832 wurde er zum Leitmeritzer Kreisrabbiner gewählt und nahm seinen Wohnsitz in Teplitz. Hier hörte man aus seinem Munde wohl die ersten jüdischen Predigten in vollendetem Deutsch, die in Böhmen gehalten wurden. Hier reinigte er wohl als erster Rabbiner in Österreich die zu trauriger Berühmtheit gelangte Formlosigkeit des jüdischen Gottesdienstes und Gotteshauses von den Spuren der finstern Vergangenheit. Seine vom Geiste echter Frömmigkeit und freisinniger Menschenliebe getragenen Reden trugen seinen Namen durch das ganze Land und als am 14. Februar 1835, dem letzten Geburtstage Kaiser Franz II, nach langen Kämpfen gegen den finstern Starrsinn mittelalterlich ungebildeter „Oberjuristen" der auf Anregung der edlen Frau E. v Zdekauer in Prag begründete „Verein für geregelten Gottesdienst der Israeliten" ein eigenes Gotteshaus gründete, hielt in der zum Tempel (in der Geistgasse) unigebildeten „Altsynagoge" in Gegenwart des Oberburggrafen Grafen Chotek, zahlreicher Beamten und Geistlichen, die zur Feier erschienen waren, Dr. Zacharias Frankel die Weiherede. Welch' tiefen Eindruck diese nie veröffentliche Rede auf die Zuhörer machte, erhellt daraus, daß man noch Jahrzehnte nachher einzelne, besonders feurig vorgetragene Stellen mit der Betonung des Redners zu wiederholen vermochte. Das kleine aber rührige Häuflein der Zeloten, die dem modernen Gottesdienste mit Haß entgegentraten, verstand es aber auch seine Fäden nach Teplitz zu spinnen und Frankel fand am nächsten Samstage in seiner Gemeinde einen kleinen Aufruhr vor. Gerne nahm er daher bald darauf eine Berufung nach Dresden an, wo er zwar als „sächsischer Oberrabbiner von Dresden und Leipzig" eine staatlich subventionierte aber auch eine sehr arbeitsreiche schwierige Stellung vorsand. Die Zustände der sächsischen Judenschaft waren unerträglich im Verhältnisse zu den immerhin 'altgeordneten, wenn auch eingeengten der böhmischen Gemeinden. Ein öffentliches jüdisches Gotteshaus durste hier ebensowenig bestehen, als eine jüdische