Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 — vor Pessach des damals verstorbenen Nikolsburger Rabbinats Assessors Zilz gedachte und Raphael Kohn ihn mit den Worten unterbrach: man dürfe am Sabbath keine Trauerrede halten, „Eines Verstorbenen gedenken darf man". Gläser starb am 27. Mai 1854. Wir erinnern uns noch seines Begräbnisses bei dem die Herren Rabbiner Jakob Brüll-Kojetein, Salomo Quetsch-Leipnik und Feilbogen-Holleschau die Leichenreden hielten. Nach dem Leichenbegängnisse waren die Herren Rabbiner Gäste des Gemeindevorstehers R. Simche Hartmann und als die Herren Rabbiner jede Remuneration zurückwiesen, sprach der praktische Rabbiner Feilbogen die ihn charakterisierenden Worte: „Ueberall wo er (Brüll) ist, verdirbt er den Mekach" «das Geschäft). Der Schwiegersohn S. Hartmanns war der Rabbiner 6anä. M. Stern, bei dem man, wie auch bei einem Sohn Hartmanns, der eine Tante David Kaufmanns zur Frau hatte, die in einem endlosen Prozesse mit ihrem Manne schwebte, die meisten Schriften der modernen jüdischen Litteratur vorfand und auch benutzen konnte. Wir erinnern uns bei diesen beiden Herren Schriften Philippsohns, Prof. Fürst's und anderer jüdischer Gelehrten und sogar die Predigten von Samuel Holdheim gesehen zu haben. Stern wollte auch in der That die Gemeinde reformieren. S. Pollak, gegenwärtig Rabbiner in Budapest, konnte auch anfangs die Gunst der Familie Kohn nicht erlangen und auch die Leichenrede, die.er am 12. September 1856 der Frau des Raphael Kohn hielt, brachte die Annäherung nicht herbei. Erst Abraham Placzek der Landrabbiner, welcher nach Kremsier berufen wurde, eine Enkelin Kohns zu trauen, bewirkte, daß die Familien Kohn, Löw und Pollak Frieden schlossen. R. Kohn jstarb am 1. Oktober 1858. Elias Eger, ein ethisch fein veranlagter, wohlhabender Mann, der damals lebte, war ein tüchtiger Talmud« gelehrter und schrieb auch schön hebräisch. Derselbe hinterließ der Gemeinde sein Haus nebst seiner Bibliothek, über welche Lehrer G. Schwarz, der auch den Vorbeterdienst versah, ein hervorragender Hebraist, ein Verzeichnis anfertigte. Dieses Stiftungshaus wurde am 15. Oktnber 1886 eingeweiht und mit einer Marmortafel versehen, welche die Namen der Stifter, des R. EliaS Eger und seiner Frau Schendel, enthält. In den fünfziger und sechziger Jahren regten sich in der Gemeinde sowie beim Vorstand reformistische Tendenzen. Es wurden Orgel und Damenchor eingeführt (S. 73). Jnteressaüt in dem Frankel'schen Werke ist das Kapitel V: Die aufgefundenen Archivalien (S. 88—121), aus denen wir eine« Brief von Prof. Graetz an den Landrabbiner Abr. Placzek hervorheben. Graetz war 1848 Lehrer bei vr. S. R. Hirsch in Nicolsburg, nach dessen Weggange aus Mähren er Religionslehrer in Lundenburg wurde. Der Brief lautet: Sr. Ehrw. Herrn Oberlandesrabbiner! Ew. Ehrwürden erlauben, daß ich zum Gesuch des hiesigen verehrlichen Vorstandes auch meine Bitte und die Motive derselben hinzufüge. Durch gemeine Denunciation, wie sie in den Annalen der jüdischen Gemeinde vielleicht noch nicht vorgekommen, durch den Starrsinn eines maßgebenden Beamte«, endlich auch durch mancherlei Umstände ist unserer Schule, die unter dem Namen