Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Bürger den jüdischen Friedhof und das Abdeckerhans kassieren. Die Juden gewannen beide Prozesse, welches Ereignis 1785 zum ewigen Gedächtnis ins Gemeindebuch eingetragen wurde. 1806 wurde Moses Karpeles, ein Freund Moses Sofers, zum _ Rabbiner erwählt. Zum Gevatter seines am 22. August 1808 geborenen Sohnes Israel, der wahrscheinlich mit dem späteren Rabbiner Jakob Karpeles in Kojetein identisch ist, welcher bei der Rettung eines Schülers vom Ertrinken in den Wellen der March seinen Tod fand (soll heißen 1843 statt 1813, Seite 19) wählte er den reichen Vorsteher Marcus Kohn. Vor Aufregung bei einem Streite in der Synagoge sprang dem Rabbiner Moses Karpeles die Ader eines Auges, das seitdem nicht mehr heilte. Besonders interessant sind die Mitteilungen des Verfassers über Raphael Kohn, den wir noch persönlich gekannt haben, dessen Gattin Hendel(e) die Tochter des jüdischen Notablen Abraham Herz aus Holleschau war. Die Mitgift, etwa 11000 Dukaten, wurde in Fäßchen nach Kremsier gebracht. Sie vermachte letztwillig auch dem.Kloster der Barmherzigen eine ansehnliche Summe. Raphael Kohn, ein kleiner untersetzter Mann, der immer ein weißes Halstuch trug, war «ein echter Ghetto-Aristokrat. In seinem Gelehrtendünkel erhob er sich zuweilen über anerkannte Autoritäten, denen gegenüber er seine"Meinung rechthaberisch verfocht mit den Worten: „Wenn auch der Marscho so sagt". Diese Unduldsamkeit, schreibt Or. Frankl-Grün in Gelehrten-Disputationen erfuhren die ihn oft besuchenden Nachbarrabbiner Brüll aus Kojetein, Feilbogen aus Holleschau (bevor dieser durch seine Fragestellung bei einer öffentlichen Prüfung zu Gunsten Neudas gegen den L. R. N. Trebitsch entschied, der ihm die Autorisation vorenthielt). In Bezug auf Rabbiner Brüll bedarf diese- Mitteilung einer Berichtigung, da Rabbiner Brüll nicht die Natur war, sich vor Reichen etwas zu vergeben. Wir wollen hier aus. unserer Erinnerung Brüll's „Kalwechomer", den er Raphael Kohn's Hochmut gegenüber oft betonte, folgen lassen. Brüll sagte: Wenn ich Ihr Geld hätte, würde ich in Gelehrtensachen nichts nach Ihnen fragen, um wie viel mehr frage ich nichts nach - Ihnen, wenn Sie es haben. Sehr geringschätzig behandelte Raphael Kohn den Ortsrabbiner H. Gläser, den er nie mit seinem Besuche beehrte und der ein durch Armut nnd Kränkungen verbittertes Leben führte. Selbst das bewegte Jahr 1848 brachte den zurückgezogenen verbitterten Rabbiner nicht auS seinen vier Wänden heraus und überließ er es dem Kremsierer gelehrten Familianten Joseph Weisse dem Bischof bei einer Visitation die Aufwartung zu machen. Große Qualen bereitet? ihm die Aufforderung des von einem Gemeindemitgliede gegen ihn gehetzten Oberamtmanns, der ihm auftrug, fortab seine Predigten in deutscher Sprache zu halten, denn ultra uosss nemo obligatur, Doch blieb Gläser von der Kanzel aus seinem Gegner, der ihn auch da behelligte, nichts schuldig. Bei einer halachischen Disputation in der Synagoge griff Raphael Kohn den Rabbiner heftig an, gab ihm aber in einem Punkte Recht. Darauf erwiderte Gläser: „Ich brauche Ihre Zustimmung nicht". Ebenso entschieden wies er diesen zurück, als er in einer Rede am Sabbath