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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-10-01 · Heft 10 (1.10.1901) · p. Seite 237

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 10 (1.10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
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— 237 — blaue und die Juden eine gelbe Naht haben. Weil die Juden wertvolle Steuer' knechte der Kaiser waren, wurde auch die Zwangstaufe mit 12 Pfund bestraft und der freiwillige Uebertritt eines Juden zum Christentum hat den Verlust seines ganzen Vermögens zu Gunsten des Herrschers zur Folge. Der Verfasser hat sich durch dieses Werk ein großes Verdienst um die jüdische Geschichtsforschung erworben und wünschen wir nur, daß auch seine Stimme aü, Ende der Vorrede den weitesten Widerhall finden möge: Ich habe das vorliegende friedliche Werk, für dessen Vollendung ich Gott aus vollem Herzen danke, aus historischer Perspektive, absehend von den Strömungen und Wirren der Gegenwart im Dienste der Humanität und Wahrheit geschrieben. Ich übergebe es der Oeffentlichkeit mit dem Wunsche, daß die fortschreitende Kultur des 20. Jahrhunderts, än dessen Schwelle wir stehen, dahin führen möge, daß über der von den Schlacken konfessioneller, nationaler, sozialer und wirtschaftlicher Vorurteile befreiten Menschheit in unvergänglichem Glanze die Sonne reinster, edelster Menschenliebe aufgehen und leuchten und daß endlich die Zeit kommen möge, wo der „Mensch dem Menschen Bruder wird trotz alledem und alledem". — Im Kommissionsverlage von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. ist erschienen: Geschichte der Juden in Kremfier mit Kückficht auf die Uachbargemeiuden. Nach Original-Urkunden dargestellt von Rabbiner I)r. Ad. Frankl- Grün. III. Teil. Nachträge: Archivalien, Die Gegenwart. Der um die Geschichte der Juden in Kremsier hochverdiente Rabbiner der dortigen Gemeinde, Herr Dr. Frankl-Grün, hat in dem dritten zugleich letzten Teile seines oben genannten Grschichtswerkes ein reiches Material veröffentlicht, das allein schon äußerst wertvoll ist und den Stoff mit an ihm gewohnter Hingabe bearbeitet. Hier möge einiger aus diesem hochinteressanten Werke folgen. .Die Kremsierer israelitische Gemeinde stand fast 600 Jahre unter dem Schutze des Bischofs, der in alter Zeit ein Fürst oder Erzherzog war, was sich nicht nur auch äußerlich durch die am Gemeindehause und dem Tempel angebrachten bischöflichen Wappen, sondern auch darin zu erkennen gab, daß die geistesknechtende Kirchenzucht von üblem Einfluß sich erwies, was besonders in Exkommunikation, Bannlegungen, Ausschließungen von der Gemeinde und von Ehrenämtern und sonst häufig in Erscheinung trat. Der Bischof, der für die Bestätigung eines neuen Rabbiners 100 und für die neue Konfirmierung eines solchen nach jedem dritten Jahre 8 Dukaten erhielt, konnte nach Belieben Rabbiner einnnd absetzen. 1689 ließ Bischof Karl HI. eine Mauer zwischen der Judengasse und Christenstadt aufführen „zur Verhütung aller Beunruhigung", weit der Wohlstand der jüdischen Gemeinde den Neid der Bevölkerung wachrief. Wie weit die Bischöfe das geistige jüdische Leben beeinflußten, geht daraus hervor, daß Fürst- Erzbischof Rudolf 1828 seine Stimme gegen geregelte Reformen und Einführung deutscher Gebete im Gottesdienste erhob, weil „sonst an Stelle der jüdischen Religionsgrundsätze die Pest unserer Tage, der Deismus, treten würde, und weil durch deutsche Gebete ein Schisma wie in Berlin entstehen würde." 1784 wollten die städischeu

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