Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 WonaLsschau. Am 25., 26. und 27. September findet die hundertjährige Stiftungsfeier der Jacobson-Schule in Seesen statt. Ihr Begründer >var der Brannschweig'sche Finanzrat Israel Jacobson (geb. Halberstadt 1760, gest Berlin 1828). Bei der Einweihung der mit der Schule verbundenen Synagoge (17. Juli 1810) hielt Jacobson eine Rede, und war dies zugleich der Anfang der deutschen Predigt. Er hatte sich auch sonst noch besonders durch dir Abschaffung des Leibzolles in Braunschweig und Baden Verdienste erworben und viel zur Verbesserung der materiellen und geistigen Wohlfahrt seiner Glaubensgenossen beigetragen. — Am 1. Oktober werden es hundert Jahre sein, seitdem der unvergeßliche Zacharias Frankel der erste Direktor des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau, in Prag geboren wurde. Frankel, der sich große Verdienste um die jüdische Wissenschaft und um die Entwicklung des Judentums erworben hat starb am 23. Februar 1875 in Breslau. — Der Herausgeber der „Deutschen Rundschau", Julius Kodenberg. hat sein siebzigstes Jahr vollendet. Julius Levy, dies sein wirklicher Name, entstammt einer feingebildeten jüdischen Familie aus Rodenberg in Kurhessen. Seine Mutter war sehr belesen und verdankte den Goethe'schen Werken ihr ganzes Seelenleben, welches sich auf den Knaben fortpflanzte, der mit der größten Bewunderung für die Altmeister der deutschen Literatur heranwuchs, Groß ist Rodenberg als Reisender, der alle Länder Europas und den größten Teil Amerikas kennen gelernt hat, wo er überall mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe die Menschen, ihre Sitten, Gebräuche, privates und öffentliches Leben zu schildern verstand und seine Vorlesungen gewannen einen Weltruf, da sie ein klares und anschauliches Bild von dem gaben, was er in Wirklichkeit gesehen hatte und den Zuhörer als lebendige Gegenwart vorführte. Unter die letzten seiner Schriften zählen die „Heimatserinnerungen", „Die Frühlingsfahrt nach Malta", „Bilder aus dem Berliner Leben" und „Herr Schellenbogens Abenteuer". Eng verknüpft bleibt, aber Rodenbergs Name mit der von ihm i 1.1874 gegründeten „Deutsche Rundschau", welche sich würdig allen größeren Revuen änreiht, die als literarische Aeropage in Kunst, Politik und Wissenschaft schon in Frankreich und England bestanden haben- Im Jahrgang 1899 hat Rodenberg eine kurze Geschichte seiner Kindheit und Jugendzeit veröffentlicht. — Herr Dr„ Gskar Hie, Privatdozent für Kunstgeschichte an der königlichen Technischen Hochschule in Berlin ist zum Professor an derselben Anstalt ernannt worden. — Der Geigerkönig Josef Joachim, der jüngst seinen siebzigsten Geburtstag feierte, ist in Kitsee bei Preßburg geboren, kam öfter nach Wien, in kleineren und größeren Zwischenräumen, und wurde von den Wienern, die sein tiefes, inniges Spiel begeisterte und entzückte, umjubelt. Wiederholt stellt er hier seine unvergleichliche Kunst in den Dienst der Wohlthätigkeit. Joachim hängt an Wien mit Leib und Seele. Seine Freunde erzählen, er sage immer, daß er sich dort besonders glücklich fühle. So oft der