Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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232 ist die Triebfeder aller geistigen Bewegung bei allen Ständen, so daß selbst die vielen schönen wissenschaftlichen Vorlesungen, die in den gelehrten Vereinen gehalten werden, von den Juden gar nicht besucht werden. M- Heß schreibt: Wenn ich gegen die sogenannten „radikalen" jüdischen Reformbestrebungen polemisiere, so geschieht es nicht deshalb, weil sie mir zu radikal, sondern weil sie zu wenig radikal sind. Wessely schreibt: Ich war der erste Jude, der das Amt eines gerichtlichen Translators in hebraicis bekleidete, der zu der Beratung der Gerichtsorganisation in Böhmen im Jahre 1848 zugezogen wurde, dem die Gerichtspraxis beim Kriminalgericht gestattet, der zur Richteramtsprüfung zugelassen' wurde und solche bestanden hat, der an einer österreichischen Universität eine Docentur, später eine außerordentliche und endlich eine ordentliche Professur an einer juridischen Fakultät erhielt. — Von Lemberg schreibt Dr. Moritz Rappoport am 20. November 1862: Hier wird am Samstag, die brennende Zigarre im Munde, über den Beruf des Predigers über Heiligung des Sabbaths zu sprechen, lebhaft diskutiert. Im Gast- Hause, natürlich im christlichen, werden die Koschergesetze vorgenomyren. — — Da genügt es nicht mehr, daß der Prediger gewähre, daß man am Jom Kippur essen dürfe; wer es nicht als Gebot betrachtet, daß man essen müsse, steht nicht auf der Höhe der Zeit.-Gegensätze dieser Art können nur in polnischen Gemeinden auftauchen und eine Jahrhundertelange hirnverbrannte Orthodoxie mußte und muß solche Antipoden erzeugen. — Jellnek schreibt am 8. März 1863: Hier wäre mit einem Ruck nach links nicht das mindeste gethan, da die Preßburger roh, ungezogen und boniert sind. Ich kenne Frankfurt; dort sind die Orthodoxen Weltmänner . .. Jellinek schreibt am 27. April 1863: Dem sehr talentvollen Brüll (Nehemias) habe ich wieder eine Arbeit für Sie gegeben. Der junge Mann verspricht sehr viel. — Leopold Stein schreibt am 21. August 1863: Sie sind von einem großen Irrtum befangen, wenn sie glauben, daß ich im entferntesten daran denke, die Rabbiner- und Predigerstelle an der Meiselsynagoge anzunehmen. — Das ist keine Stellung für einen Mann, der jetzt froh und frei aufatmet in dem unabhängigen Berufe, der ihm zugleich jetzt schon nach dreiviertel Jahren ein reiches» sehr reiches Einkommen bringt. — Das Amt hat nur zu viel bitteres geboten und das egoistische Pfaffenvolk, das ich leider in meinen Verhältnissen in seiner Niedrigkeit bis zu den höchsten Spitzen kennen gelernt habe, widert mich zu sehr an, als daß ich so leicht und ohne die bewegendsten, in sichersten Garantien gelegenen Gründe wieder in das Rabbinat treten möchte. — Ich bin überhaupt von beu Herren Kollegen in meinem Kampfe gegen Parnoszim-Willkü? schlecht unterstützt worden.