Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 wir an dem Tage des Wasseropfers der Spaltung des Schilfmeeres, wo gewaltige Wasser über den Häuptern wütender Verfolger zusammenschlugen, Mann und Roß verschlangen. Wie damals verneKmen wir den Ruf: Schweiget still, der Herr wird für euch streiten- Die Sturmflut des Hasses hat sich allerdings verlaufen, aber schlechtes Grundwasser ist als Rückstand geblieben, der noch immer verderbliche Dünste ausathmet, die Gesundheit angreift. Das einstmalige jüdische Ernte- und Winzerfest mit all seinen geschichtlichen Reminiszenzen hat also für uns doch noch einiger Maßen Bedeutung. Wenn auch mystische Anschauungen später vielleicht sich eindrängten und die Mächte der Tiefe durch den ausgegossenen Wasserstrahl zu besänftigen vermeinten, dann war es eben die naiv dichtende Volksseele, welche so gerne jeden Gebrauch durch Symbolik heiligt. Es lag ja so nahe zu denken an die Brunnenlieder der Bibel, an die lieblichen Szenen, die von den Patriarchen am Brunnen geschildert werden, an Moses, der für Jithro's Töchter Wasser schöpfte, an die Wasser des Zwistes, an den königlichen Sänger, der, brennend vor Durst, den dargereichten Trunk dem Schöpfer opfert, weil er mit anderer Lebensgefahr aus Philisterlager geholt war. Aber im Grunde bedeutet das rauschende Freudenfest des Wasseropfers nichts anderes, als Kundgebung der Allgewalt des feuchten Elements; Gebet um Fruchtbarkeit und Gedeihen der Felder, Fluren, Gärten, Triften, um Schutz vor Wasserflut und Wassermangel. Einem solchen Judentume wird wohl mit Unrecht der Vorwurf der Selbstsucht gemacht. Es giebt kein Volk der Welt, das solche Feste feiert, es giebt kein Fest eines Volkes, an welchem solche Gebete zum Himmel gesandt werden. Wäre es ein Wunder, wenn wir heute selbstsüchtiger würden? Doch nein! Kein kleinlicher Gedanke soll die Festesweihe stören, keine Schwäche 'die Höhe der Empfindung erniedrigeu. Nach wie vor werden wir für das Wohl aller Menschen an unseren Festen zum Himmel flehen, das alles werde gedeihe „Zum Segen und nicht zum Fluche, Zum Leben und nicht zum Tode, Zur Fülle und nicht zur Darbung." Leopold Löw und seine Ireunde. IV. (Schluß) Dr. Jellinek schreibt am 5. März 1860: Zu den brennenden Fragen gehören Untersuchungen über das jüdische Eherecht, das nicht so bleiben kann. — Eine Frage, von der die meisten noch keine Ahnung haben, ist das halachische Verhältnis zum Christentum. — Wie wird der Mohammedanismus im Gegensätze zum