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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-10-01 · Heft 10 (1.10.1901) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 10 (1.10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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229 sie sangen dabei Lieder und Lobpreisungen. Es war ein frommes Werk, an dieser Freude sich hervorragend zu beteiligen und die Teilnehmer an dieser Lustbarkeit waren nicht nur etwa das Landvolk (Am-Haarez>, sondern die großen und weisen Männer, die Häupter der Lehrhäuser und des Sanhedrin, die Frommen und die Greise, und die Männer der Regierung tanzten und freuten sich bei diesem Feste. So war's in den Tagen des Hüttenfestes zur Zeit, da der Tempel der Zionsstadt in Pracht noch prangte. Warum dieser Jubel, das blendende Fest, warum so fragen wir erstaunt das schlichte Wasseropfer? Wer je am wallenden, wogenden, brausenden, sausenden Strande des Meeres gestanden, geschaut hat der machtvollen Wellen Kommen und Gehen, wen das ehrfurchtsvoll bange Gefühl unendlicher Größe überkommen hat, daß jeds Faser im Leibe zittert, der begreift die Wassergewalt. Wer durstige Fluren, lechzende Blumen, dorrende Wälder je bedauert hat, wer schwindsüchtige Saaten, verzehrenden Kornbrand je mitleidsvoll betrachtete, der versteht das heiße Dankgebet für segenspendenden Regenguß, kann Mitempfinden die aufjauchzende Freude, wenn die frohkeimende Feldfrucht gut eingeheimst ist, Tenne und Kelter sich füllen. Einend und verbindend umströmt in riesenhaftem Kreise der Ozean die Welt, ein mächtiger Gürtel um einen Leib, zeugend und kündend, daß die Erde voll von der Größe des Schöpfers, wie die Gewässer das Meer bedecken. Der weitsehende Geist jüdischer Gesetzgebung hat geboten, am Schlüsse der Jahresfeste Wasser mit heiliger Weihe als Opfer darzubringen, der ganzen Menschheit zu Nutz und Frommen, betend für Aller Heil. Aus voller Seele mußten die Winzer und Schnitter den Schöpfer preisen der dem Meere Grenzen gesetzt, der aus der Wolke den Segen sendet — allen gleich. Ein Volksfest ein liebliches, ländliches, freundliches Fest war es, das gegefeiert wurde. Nicht dem dunklen Gotte der Tiefe brachte man Opfer, der mit gewaltigem Dreizack die brüllende Brandung wühlt, sondern dem Gotte der lichtvollen Höhen, der das Friedenszeichen des siebenfarbigen Bogens sich spannen läßt über die Weiten des Ozeans selbst zu den Zeiten der Sintflut. Ernste Gedanken durchkreuzen die Erinnerung am Tage des Wasserfestes. Tod und Leben,. Trauer und Wonne bedeutet das Wasser in der Geschichte des Judentumes, eine wundersame Rolle spielt es, und reichgliedrig ist die Gedankenkette, die sich daran schmieden läßt. Es soll das Wasseropfer die bedeutsamsten Ereignisse unserer ältesten Geschichte in Erinnerung bringen: die verderbende Sintflut zuerst und die Neubelebung der erschaffenen Welt. Eine liefe Symbolik liegt in der Erzählung des Midrasch, daß der Erzvater Abraham Wasser und Feuersgefahr habe bestehen müssen. Nimrod habe ihn in eine» glühenden Ofen geworfen. Ueber ein breites Strombett mußte Abraham schreiten, als er seinen Liebling opfern wollte — es ist die Flut der Schmähungen, die, selbst wenn wir die schwersten Opfer bringen, sich über unser Haupt ergießt. Nicht vergebens gedenken

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