Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Kaiserin und erregte ihr Wohlgefallen in solchem Maße, daß sie sich dasselbe auch außerhalb der Synagoge öfters vom verewigten Wiener Oberkantor Sulzer Vorsingen ließ. In jener Zeit wurde das Kol-Nidre in das Programm der vornehmsten Konzerte in Wien und dann auch in das anderer Städte ausgenommen. Wie sich die erhabene Frau für die althebräische Poesie interessirte, erhellt auch daraus, das sie einmal den Oberrabbiner von Budapest zu sich befahl und ihn damit beauftragte, ihr die Klagelieder Halevy's zu verschaffen, welche dieser über die Zerstörung Jerusalems geschrieben hat, und die Heinrich Heine bekanntlich als das Vollkommenste in der Poesie bezeichnet hatte. Der Oberrabiner von Budapest war zu jener Zeit vr. Meisel, welchem es trotz seiner literarischen Verbindungen schwer wurde, eine gute Uebersetzung von Halevy's unsterblichen Poesien zu verschaffen. Endlich gelang es demselben, eine solche aus dem vergangenen Jahrhundert zu bekommen, die jedoch in Sprache und Ausdrucksweise so veraltet war, daß er sie umarbeiten und neu drucken lassen mußte. Die Kaiserin freute sich über das Buch ganz außerordentlich und gab ihrer Befriedigung darüber in ihrer huldvollen Weise schmeichelhaften Ausdruck. Das Wasserfest am Laubhüttenfeste. Schallender Jubel hallte aus des Tempels Höfen am Laubhüttenfeste. Ein Priester mit ei»em goldenen Kruge in der Hand stieg in Begleitung des jubelnden Volkes mit Musik und Gesang hinunter an den Bach Schiloah, der am Fuße des Moria sein Helles Wasser ergoß. Sobald der Priester mit dem gefüllten Kruge an das sogenannte Wasserthor zurückkehrte, wurde dreimal in die Trompete gestoßen dann stieg der Priester zum Altar hinauf und ein anderer mit einem Kruge Wein. Am Altar waren zwei Becken befestigt, ein jedes mit einer Oeffnuug versehen, dahinein gossen sie in das eine Becken das Wasser, in das andere den Wein. Es war dabei der Jubel des Volkes so groß, daß ein alter Spruch sagt: „Wer die Lust beim Wasserschöpsen nicht gesehen, hat niemals wahre Freude gesehen." Der Talmud erzählt darüber ausführlicher: Auf dem Tempelberge wurde ein Raum für die Frauen oberhalb und für die Männer unterhalb bestimmt. Vier riesige goldene Leuchter waren oben mit großen goldenen Schalen versehen, vier Leitern von Gold führten hinauf, vier Priesterjünglinge hatten goldene Oelkrüge in den Händen, jeder 120 Lug haltend, das sie in die Schalen gossen. Es war kein Hof in Jerusalem, der nicht taghell erleuchtet war. Die Leviten, viele tausende an der Zahl, standen auf den 15 Stufen, welche den Hof für das Volk vom Hofe für die Frauen trennten und spielten auf Harfen, Cymbeln, Pauken und anderen Instrumenten mit Hand und Mund und hüpften und tanzten, jeder, wie und wo er konnre und