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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-10-01 · Heft 10 (1.10.1901) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 10 (1.10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 Könige die Fahnen senken, streuen Asche auf ihr Haupt. Der Posaune Donner sowohl Land als Meer die Ruhe raubt. Auch ich habe schwer gesündigt. Zum Verrate nickt ich gleich. Ich kann nicht die Hände falten. Aber Du bist gnadenreich." Still und dunkel wird's im Tempel. Kraftlos sinkt der Rabbi hin Und zu seinem Körper neigt sich Ben Rabenu Kilonim. Rührt ans Haupt ihm, rührt ans Herz ihm: „Ällelnjah, er ist tot," Die Keduscha sagt der Kantor, weinend preisen alle Gott. Frohen Muts und guter Dinge saß im Schloße dazumal Der Herr Kurfürst mit viel Herrn, häufig hebend den Pokal. „Ueberlegte sich's der Rabbi?" .... Wer kann geben mir Bericht? Warum giebt mir niemand Antwort? Weiß es auch der Henker nicht? Ruft ihn! Hebt zuvor die Becher! Warum seid Ihr alle still? Warum unter der Madonna Bild das Licht nicht leuchten will? Kommt der Henker da zu mir? Nein. Amnon ist's der drohend ringt Der blutigen Hände Rest!" — Der Kurfürst tot zur Erde sinkt. Kaiserin Elisabeth und das Kol-Widre. Wenn die wehmütigen, ergreifenden Klänge des uralten Klagegesanges, des Kol-Nidre, die Räume der Synagoge durchfluten und alle Zuhörer mächtig ergreifen, wie immer, wenn dieses Juwel uralter, sich in den grauen Nebel der Urzeit verlierender Kunst zum Vorschein kommt, erinnere ich mich auch daran, daß dasselbe eine hohe Bewunderin hatte. Es ist nämlich eine bekannte Thatsache, daß dieser Gesang voll mystischer Kraft und Weihe, aus welchem eine tiefe Himmelssehnsucht spricht und den ein englischer Dichter mit den Worten bezeichnet«: „Ein brechend Herz, das fleht in Melodien — ein Glaube, der den Sieg errang," nicht nur auf die Bekenner der mosaischen Religion, sondern auch auf Kunstfreunde, die anderen Konfessionen angehören, einen tiefen Eindruck macht, so daß am Vorabende des Versöhnungstages, an welchem allein dieser Klagegesang angestimmt wird, der Tempel stets auch von zahlreichen Nichtjuden besucht wird- Eine Bewunderin dieses uralten, herrlichen Sanges war auch die verewigte erhabene Kaiserin von Oesterreich, die in Wixn am Vorabende des Versönungstages öfter die Synagoge zu besuchen und das Kol-Nidre anzuhören pflegte. Dieses melodische Klagelied bewegte die

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