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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-10-01 · Heft 10 (1.10.1901) · p. Seite 226

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 10 (1.10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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226 Seine Glieder furchtbar blutig abgehackt im Korbe sind. Zum Altar wird er getragen- Still der Kantor nun beginnt Mit dem Chore vorzutragen die Keduscha allbekannt. Krüppelhast erhebt sich Amnons Körper ohne Fuß und Hand. „Halt ein" ruft er. Und der Kantor schweigt. Im Tempel wird es still. „Meiner Seele letzter, schwacher Hauch noch Gott jetzt preisen will. Isaak sah die Götzen und der Opfer Rauch in seinem Haus, Will nicht sehen Gottes Schande, löscht der Augen Licht selbst aus. Und ich sag': Der Neujahrstag ist des Gerichtes großer Tag, Der Posaunen-Töne hör' ich, Dich zu preisen Gott ich wag. Herr, die Welt Du viermal richtest, eh ein Jahr uns wiederkehrt, Richtest furchtbar, doch mit Gnade, und wir bleiben unversehrt. Herr, Du bist ein starker Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, Voller Kraft und Stärke lenkst Du unser Weltall jederzeit. Deine Hand beschirmet alles. Auf des Meeres dunklem Grund Wandeln mit gezücktem Schwerte Engel bei der Blitze Rund'. Offen ist das große Schuldbuch! Aller Namen stehen dort, Was die Seele träumt und hoffet immer und an jedem Ort. Wie Gewässer kommen Menschen, kommen wie der Lämmer Heerd' Und Du richtest» sonderst, teilest, wägest ihrer Fehler Wert. Ungezählt sind Deine Tage, Deine Jahre ohne Wahl, Deiner Macht und Throne Ursprung niemand, niemals kennt die Zahl. Selbst Dein Name ist ein Rätsel das mit Dir hat gleichen Klang, Schreck erfasset die Cherubim, selbst die Sterne stehen bang. Des Gerichts Posaune tönt, die Erd' in ihren Tiefen dröhnt, Meere senden Diademe, alles Deine Herrschaft kennt. Fremde Götzen sind im Staube, Glanz umhüllt Dein Angesicht, Mit dem Tag erwacht der Gute, aber nicht der Bösewicht. Hör'» Gerechter, unser Flehen, die Gebete ohne Zahl, Du bist uns're Hoffnung, Stärke, uns're Treue allzumal. Uebergroß ist Deine Milde, Deine Güte, Deine Macht, Gott, Du bist der Welten König, ohne Dich ist finstre Nacht.

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