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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-10-01 · Heft 10 (1.10.1901) · p. Seite 225

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 10 (1.10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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225 Einen Abgrund sah er vor sich, einen Abgrund finstrer Nacht. Ueber ihm thront Gott, umgeben von Cherubim voller Pracht. Gott verhüllen Wolken, jeder Cherub eine Waffe hebt, Mit dem Rufe „Du Verräter", jeder ihn zu stürzen strebt! Einen Schritt nur — denken, was zu wollen, ist noch keine That! Er kann widerrufen .... Nein, die Hand er reichte zum Verrat! Fliehen wird er weit vom Hofe, taghell noch bevor das All. — Doch am vierten Tage hört er wüsten Lärm und Trommelschall. Also beut der Kurfürst: „Schließlich meine Güte geht zu End', Trotzdem drei Tag' schwanden, schweigst Du, niemand Deine Antwort kennt. Ich befehle: Meine Luft Du atmest, essest auch mein Brod, Meinen Gott wirst Du verehren. Nur ein Glaube sei und Gott." Vor den Fürsten führt man Amnon: „Mög die Erd verschlingen mich, Nur aus gutem Willen und aus Achtung vor Dir fehlte ich. An Verrat wenn wir nur denken, so begehen wir Verrat. Recht hast Du! Ich brach mein Wort. Drum ruf die Henker nun zur That. Nicht die Seele, nicht der Wille, nur die Zunge hat gefehlt, Selbst künd ich mein Urteil: Meine Zuge werde ausgeschält. Gottes treuer Diener bin ich, meine Zunge nur war schwach. Gieb mir eine Zange, ich will sie ausreißen mir zur Schmach." Weit das Schachbrett schob der Kurfürst, bei dem beide oft geweilt, Sein Gesicht verzerrt sich, wie im Gras die Schlange ringelnd eilt. „Nicht die Zunge, Rabbi, mehr noch sündigten die Füße Dein. Um sind nun drei Tage und Du kamst nicht. Das soll Dich nun reu'n. Auf die Folter mit Dir, Rabbi, schwöre ab!" — „Nein, nimmermehr." „Deine Füße hau ich Dir ab." — „Herr, das schmerzet auch nicht sehr." „Werden seh'n." — Die Wache ruft er. — Was geschah dann? — Blut floß viel, Alles andere rerschweiget dieses Lied aus Mitgefühl. An des Rosch-Haschono Morgen in dem Tempel war's gar voll, Die Keduscha der Gemeinde nun der Kantor sagen soll. Bei der Thüre hört man sprechen. Dunkler wird der Lichter Schaar, Amnon wird einhergetragen, halb ohnmächtig auf der Bahr.

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