Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Alle anderen Religionen bewahren einen dogmatischen Rest: Das Judentum will nur eine Bejahung des Göttlichen und der Gerechtigkeit sein. Die Menschheit wird deshalb nicht jüdisch werden, aber das Judentum wird in der Zukunft ein wichtiger Faktor sein. Aas Gebet Hlnfane HoKef. Bon Jaroslav Brchlicky. Aus dem Böhmischen übersetzt von I. S. Kraus. Mit dem Rabbi Amnon spielte Schach der Mainzer Kurfürst oft. Daß der Rabbi bei ihm esse, trinke, stets umsonst er hofft. . Ausred' fand der Rabbi immer, eilte dann zu lernen heim. Einmal nur hat er gezögert. Herbem Leide ward's zum Keim. Stets verbirgt der alte Satan auf des Bechers Grund sein Ziel, Rüttelt an dem festen Willen, an Granit und an Gefühl, Uus're Sinne er umschleiert, er verwirrt des Urteils Red', Daß der Weise unfreiwillig mit dem dümmsten Narren geht. „Werter Rabbi," spricht der Kurfürst, „Du, der Weisen große Zier. Mein und Dein Gott weiß es, daß Du immer bist willkommen mir. Schade aber, daß Dein Glaube, ein gar schweres Bleigewicht, Uus're Bruderschaft behindert, unsrer Freundschaft steht im Licht. Zwischen Deinem oder meinem Gotte ist kein Unterschied, Ueberlege, wohl erwäge, was im Guten ich Dir biet'. Mir zu Lieb' verlasse Deinen Glauben. — Rasch Dein Glas erheb'! Willst Du nicht? Nun gut, ich dräng Dich nicht. Es zu ergründen streb'. Wenn Du bist ein alter Weiser, wirst zum Kerne richten Du den Blick, Wo es hell ist und wo dunkel, wo die Wahrheit und wo Lüg'." Amnon nippt vom Rand des Bechers, traumversunken er dann spricht: „Alles will ich, Herr, erwägen. In drei Tagen kommt Bericht." Bange Tage, bangre Nächte waren das voll herbem Leid, Auf dem Lager wälzt der Rabbi sich im stetem Widerstreit. Reich' dem Teufel einen Finger und er will die ganze Hand, Rasch die Zeit entfliehet, wie das scheue Reh an Waldesrand.