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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 213

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 213 (sequence 21)
Language
German
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213 zuheben: Der „Gaon Haja“, ein Beitrag zur Geschichte der semitischen Sprachforschung (Berlin 1867), „Die Sentenz bei den Juden und Arabern" (Berlin 1868), „Das Judentum der Aufklärung", Reden für die Gebildeten aller Konfessionen (Magdeburg 1876) und die Biographie seines Vaters Moses Nascher, der Rabbiner in Ung. Brod und Oberrabbiner in Baja gewesen (Berlin 1879). Sein Andenken wird stets als das eines treuen innigen geist- und lichtvollen Anhängers des Judentums in unserer Mitte fortleben und ein gesegnetes bleiben. — Auf dem städtischen Friedhofe in Gastrin befindet sich ein Denkstein mit dem Symbole einer Taube, dse ein Oelblatt im Munde trägt und einer hebräischen Inschrift, Psalm 90, 6 enthaltend, über dem Grabe des am 16. August 1862 in Landsberg geborenen, am 6. August 1894 im Feuersteingraben verunglückten und am 10. Juni 1895 beerdigten Feodor Levy. Es ist dieser Denkstein zugleich ein Denkmal der Toleranz und Liebe, denn der verunglückte Heimgegangene wurde in der katholischen Stadt in Reih und Glied mit den anderen Toten auf geweihter Erde begraben. — Man berichtet: Ein schönes Beispiel religiöser Toleranz bot jüngst die Ortschaft G.-Woravil;a. Anläßlich des Begräbnisses einer Frau Moriz Holländer hielt, nachdem Rabbiner Goldfahn der Verblichenen einen warmen Nachruf gewidmet hatte, der reformirte Seelsorger Victor Hetessy eine ergreifende Trauerrede. Am Begräbnisse nahmen Bürger aller Konfessionen teil und sämtliche Kirchenglocken erklangen während der Zeremonie. — Man berichtet aus Wien: Der Kaiser hat dem Großindustriellen Ignaz Eisler den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikat „Terramare" verliehen. — Hofrat Theodor Gomper;, der Professor der klassischen Philologie an der Wiener Universität, hat mit Rücksicht auf eine größere wissenschaftliche Arbeit sein Pensionierungsgesuch eingereicht, dessen Erledigung unmittelbar bevorsieht. Den einstimmigen Wunsch des Professorenkollegiums, von seinem Entschlüsse abzustehen, hat Professor Gomperz dankend abgelehnt. — Das Leben und Treiben der polnischen Juden in volkskundlicher Beziehung ist in den letzten Jahren von verschiedenen Forschern untersucht worden. Unter diesen nimmt H. Lew mit einem in polnischer Sprache erschienenen zweibändigen Werk über den jüdischen Volkshumor eine hervorragende Stelle ein. Eine besondere Rolle spielen, wie W. Bugiel daraus hervorhebt, in Polen die Volkswitzbolde oder Chojseks, die nach Art der indischen Volkserzähler alljährlich zu gewissen Zeiten von Dorf zu Dorf ziehen und gegen eine geringe Zehrung und Geldlohnung Märchen und Schwänke erzählen. Manche Witzbolde leben fort in der Volkserinnerung durch ihre Satiren. So Herschel auS Ostropol, von dem Bugiel berichtet, wie er dem Rabbiner sein neuestes Erlebnis erzählt: „Heute früh komme ich aus dem Hause. Da begegnet mir der Engel des Bösen und fragt, wie ich mich befinde. Schlecht, sage ich, habe kein Geld und der Sabbath naht. — Geh' zum Rabbiner, sagt der Engel, und stiehl ihm einen silbemen Leuchter, was Du dafür erhältst, wird für die Sabbathausgaben genügen. — Ich gehe weiter, da begegnet mir der Engel des Guten und fragt nach meinem Befinden.

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