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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 214

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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214 Ich erzähle ihm, daß es mir schlecht gehe und was mir der Engel des Bösen geraten habe. — Bei Gott, ruft er aus, versündige Dich nicht. — Aber ich will nicht vor Hunger sterben. — Nun, dann wende Dich persönlich an den Rabbiner. — Wenn Du gut sein willst, so thue es für mich. — Ja, sagt der Engel des Guten, ich würde es herzlich gern thun, aber siehst Du, ich Hab' bis jetzt noch nie die Schwelle des Rabbinerhauses betreten." — Auch an „Abderiten" fehlt es unter den polnischen Juden nicht, und als ihre Heimstätte gilt das Städtchen Chelm. Von einem Einwohner desselben wird die auch sonst verbreitete Geschichte erzählt, daß er nach einer benachbarten Stadt wollte, hier nach Lublin, und beim Schlafengehen abends die Füße nach der Richtung seines Reisezieles ausstreckte, um den Weg nicht zu verfehlen. Jemand gebt vorüber und dreht den Schlafenden nach der entgegengesetzten Richtung. Am andern Morgen setzt dieser seinen Weg in der Richtung seines Wegweisers fort und gerät in Verwunderung, daß Lublin seinem Heimatsorte Chelm so völlig ähnlich ist. Auch begegnet er auf dem Wege einem triefäugigen Weibe, das ihn ausschilt. Gottes Wunder, sagte der Chelmer, die ist doch ganz ähnlich meinem Frauchen! Weshalb gerade das Städtchen Chelm zur zweifelhaften Ehre des polnischen Abdera gekommen ist, bleibt dunkel. — Am 1. Juni starb in Paris der bekannte französische Gelehrte und Dichter Eugene Manuel im Alter von 78 Jahren. Manuel trieb zuerst philologische Studien und bekleidete längere Zeit verschiedene Lehrerstellen, zuletzt die Professur der Rhetorik am Liese Henry IV. zu Paris, bis er 1870 die Aufmerksamkeit des damaligen Unterrichtsministers Jules Simon auf sich lenkte, der ihn dann zum Chef seines Sekretariats ernannte. In dieser Stellung bewährte sich Manuel außerordentlich, so daß er nach acht Jahren schon Generalinspektor des öffentlichen Unterrichts wurde. In dieser Stellung, die er bis an sein Lebensende inne hatte, übte der Verstorbene einen hervorragenden Einfluß auf die Gestaltung des geistigen Lebens in Frankreich aus. Nicht minder erfolgreich ist Manuel, der unter anderem auch Kommandeur der Ehrenlegion war, als Dichter gewesen- Von seinen Werken sind die wichtigsten Gedichtsammlungen „Pages intimes“, die von der Pariser Akademie gekrönt wurden, sowie „Pendant la guerre“ und „Poemes populaires“, die die Stimmung des französischen Volkes während des großen Krieges i» seltener Treue wiederspiegeln. Von seinen dramatischen Erzeugnissen sind bekannter geworden „les Ouvriers“ und „PAbsent“. Besonders das elftere, das einen Preis von 6000 Francs seinerzeit davontrug, hat eine sehr warme Aufnahme gefunden. Noch heute zählen die „Ouvriers“ zu dem ständigen Repertoir der Comedie Franyaise. Eugene Manuel blieb trotz der hohen Stellung, die er bekleidete, ein glaubenstreuer Jude bis zum Tode. Im israelitischen Zentral-Kousistorium vertrat er seit Jahren Lyon. — Die Munizipalität von Mailand hat dem ausgezeichneten Philologen und jüdischen Senator Askoli das Ehrenbürgerrecht verliehen. — Nach der letzten Zählung hat Irland eine jüdische Bevölkerung von nur 3969 Personen, wovon 2246 auf Dublin,

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