Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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209 Füßen in einer auf dem Boden liegenden Kugel der Galeerensträflinge endet. Das Haar dieses Riesen ist kurz geschoren, beginnt jedoch sich leicht zu wellen. Die Hände sind zu Fäusten geballt und man wird hierbei an den Ausdruck, eine Faust in der Tasche machen, erinnert. Man sieht es dieser gigantischen Gestalt, die mit eminenter Kraft und Eindringlichkeit des Naturstudiums geschaffen ist» an, daß hier einst eine überirdische Kraft gewohnt haben muß. Die Natur wirkt hier mit beherrschender elementarer Wucht, sowie der Man», den sie darstellt. Man sieht die mühsam gebändigte, kaum noch zurückgehaltene Kraft in diesem Heros, welcher der Ueberniacht des Kleinen und Kleinlichen eine Weile unterlegen ist. Schmerz und düstere Resignation sprechen aus dem leicht gesenkten Antlitz und den kräftigen männlichen Augen. Diese Natur macht einen überwältigenden Eindruck, sowie die Geschichte des von ihr dargestellten Helden in der Bibel. — Eine bibliothekarische Seltenheit besitzt nach dem „Zentralblatt für Bibliothekwesen" die ständische Landesbiblivthek zu Kassel. Es ist dies eine recht wertvolle, wenn auch nicht ganz vollständige hebräische Handschrift des alten Testaments. Sie stammt aus der Erbschaft des Kurfürsten Karl von der Pfalz, des letzten Sprossen der pfalzsimmern'schen Linie, und war früher in Heidelberg aufbewahrt. Der Hanauer Superintendent I. G. Schiede hat im Jahre 1748 eine 174 Seiten lange Abhandlung unter dem Titel: Observationura sacrarum biga altera de codice bifoliorum ebraico Msto. bibliothecae Cassellanae etc. über sie in Bremen und Leipzig erscheinen lassen. Sie genügte jedoch dem berühmten Orientalisten I. D. Michaelis in Göttingen nicht, und er erbat sich die Handschrift zu weiterem Studium nach Göttingen. Landgraf Friedrich II. gewährte im Jahre 1867 die Versendung nach der benachbarten Universitätsstadt, ließ sie unter dem Schutze einer Eskadron hessischer Husaren nach Göttingen schaffen und sich von Rektor und Senat einen Revers über die unversehrte Rückgabe des Manuskriptes ausstellen. — Herr Prof. Friedrich Gernsheim ist als Nachfolger des Profesiors Martin Blumner als Vorstand einer mit der Akademie der Künste verbundenen Meisterschule für musikalische Komposition in Berlin erwählt worden. — Ueber den Berliner Maler S. Lipinsky, dem bei den akademischen Preisbewerbüngen der Rompreis (3300 Mark zu einer Reise nach Italien) zu teil geworden ist, können wir folgende Einzelheiten mitteilen: Der junge Künstler, ein Meisterschüler Anton von Werners ist 1873 in Graudenz geboren, besuchte von 1891 —96 die Berliner Akademie und wurde dann in Werners Atelier ausgenommen. Im Jahre 1900 malte er sein erstes großes Bild im Schlosse des Grafen Moltke auf Creisau. Es stellt den Einzug der Franzosen in Lübeck am 6. November 1806 vor und zeigt Moltke als Knaben, wie er der Plünderung der Soldaten zusieht. Das Bild wurde am 100. Geburtstage des Feldmarschalls enthüllt. In den letzten Ausstellungen war Lipinsky mit Porträts vertreten; unter anderen hat er das Bildnis des Inspektors der Hochschule, des Herrn Croner, gemalt. — Das Stipendium der Michael Beer-Stiftung in Kerlin im Betrage von 2250 Mark zu einer Studien-