Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 geboren zu haben und so vielen Kulturvölkern vererbt, ja schließlich den besten Rassen eingeimpft zu haben. Ehe diese Impfung zu einem Ende gelangt und mit ihren Folgen verwunden und überwunden ist, kann von einem ernsthaften Antisemitismus, richtiger Antihebräismus wohl gedacht, aber ein solcher niemals lebensfähig gemacht werden. Das Christliche steht dem Antisemitischen im Wege." — Ein uralte« Schriftstück, welches für die Geschichte Alt-Berlins von bedeutendem Werte ist, wurde jüngst bei Bauarbeiten in der Jüdenstraße in einer Art Grundstein gefunden. Das eigenartige, mit nach Mönchsschriftart gemalten Buchstaben versehene Dokument besagt, daß die Häuser No. 46 bis 49 im 14. Jahrhundert den „Jüdenhof" bildeten, und daß dieser Hof schon am Ende des 13. Jahrhunderts zum verschließbaren Wohnsitze der Juden in Berlin eingerichtet war, und sich dort eine Synagoge — jedenfalls die älteste in Berlin — befand. Als unter Ludwig dem Römer die Juden vertrieben wurden, verlor der Jüdenhof zwar seine Bcstiinmung, aber nicht seinen Namen. Im Jahre 1354 schenkte der genannte Fürst den Hof dem Probste Wörner, der die darauf stehende» Häuser einzeln veräußerte. Als die Juden wieder Aufnahme fanden, aber der alte Jüdenhof ihnen nicht mehr eingeräumt werden konnte, legte man in der Nachbarschaft — „im Gekhol an der Mauer" — ein anderes Judenquartier an. Das Schriftstück, eine Pergainentrolle, enthält auch noch Nachrichten in hebräischen Lettern. — Der schon längere Zeit gesuchte litterarische Nachlaß des Altonaer Arztes Dr. Steinheim wird zur Veröffentlichnng gelangen. Dr. Steinheim, den Allmers litterarisch veretvigt hat, ivar neben seinem Freunde Gabriel Rießer einer der glänzendsten Verfechter der Emanzipation und außerdem einer unserer bedeutendsten Religionsphilosophen, der „Philo des 19. Jahrhunderts", (Vergl. Geiger, Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft, 1872 und 1873. Allgenu Deutsche Biographie, Band 35, 725.) Steinheim unterhielt auch nahe Beziehungen resp. Briefwechsel mit Männern >vie Heinrich Heine, Gutzkow, Varnhageu von Ense, Thvrivaldsen u. v. a. Bon großem Interesse ist die Korrespondenz zwischen Ludmilla Assing und ihrem „Onkel Steinheiin". Ludmilla Assing, Tochter der Dichterin Rosa Maria, der Schivester Varnhagens, ivar die geistreiche Freundin Alexander von Humboldts und Biographin des Fürsten Pückler-Mnskau- Die Beröffentlichnugen erfolgen durch den Großneffen Dr. Steinheims, Rabbiner Dr. Lncas in Glogau. — Der berühmte Berliner Bildhauer Max Klein hat in der gegenwärtigen „Großen Berliner Kunstausstellung" eine Kvlossalstatue in Bronce, 2,4 Meter hoch, „Der geblendete und gefesselte Siinfon", ausgestellt. Im Buche Richter, Kapitel 16, Vers 21 steht geschrieben: „Und die Philister ergriffen ihn und stachen ihm die Augen aus, und führten ihn nach Gasa hinab und fesselten ihn mit zwei Ketten ..." Es ist ein Werk von strotzender Kraft, erfüllt von dramatisch wirkender Tragik. Eine wuchtige, massige Gestalt ist an beiden Oberarmen mit doppelten Ketten gefesselt, die auch über den Rücken und -die Brust fest «»gezogen sind. Vorn sinkt die Kette bis zur Erde herab, wo sie zwischen den