Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969915--6389-2975753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 leben in unserem Herzen und zu dauerndem Segen bleiben für alle Zeiten und Geschlechter. — Herr Professor Ebrard, Direktor der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Mai», berichtet über die neue, namhafte Bereicherung, welche die Ucbraica-Abteilung des von ihm geleiteten Instituts der Hochherzigkeit der Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild dankt, in der „Frankfurter Zeitung" wie folgt: „Im Feuilleton d. Bl Nr. 32 vom 1. Februar 1899 habe ich aus Anlaß der damals erfolgten Schenkung der Dr. A. Beriiner'schen Bibliothek an die Frankfurter Stadtbibliothek das stufenweise Amvachjeu ihrer heute so bedeutenden llcbraica- und Judaica- Sammlung in den Hauptzügen skizziert. Konnte ich dort im einzelnen näher dnrlegen, wie diese durch .den Hinzutritt der Brüll'schen Bibliothek (1892) zu einer Sammlung höheren Stils erhobene Abteilung unserer Stadtbibliothek damals durch die Schenkung der Bibliothek Berliner ihre» ersten systematischen Ausbau erhielt, so bin ich heute in der angenehmen Lage, über einen neuen bedeutnngsvollen Zuwachs zur llcbraica - Sammlung, über die vor einigen Tagen kurz signalisierte Wilhelm Carl v. Nothschild'sche Stiftung seitens der Freifrau Mathilde v Rothschild einiges nähere mitzuteilen. Ich verdanke die bibliographischen Daten meinem Mitarbeiter Herrn Dr. A. Freimann, welcher mit der Bearbeitung der gesamten Iiebraiea und Judaica der Stadtbibliotbek betraut ist und auch die der letzteren von der Stifterin verstattete Auswahl aus der Bibliothek des verstorbenen Barons Wilhelm Carl von Rothschild bewirkt hat. Zunächst ist die stattliche Reihe von 23 hebräischen Inkunabeln zu nennen und unter diesen an erster Stelle der bibliographisch nicht verzeichnete Hur Orach Chajjim, ein 1485 in Leiria in Portugal gedrucktes Werk, ein wahres Prachtstück an Ausstattung und Titelvrnamentierung. Nach Portugal gehören auch von Inkunabeln das Ritualwerk des David Abuörahim, Lissabon 1489, und die Sprüche Salomonis mit dem Kommentar des David Jbn Jachja, Lissabon 1491, nach Spanien der Tur Orach Chajjim Ixar (Hijar) 1485, und der Tur Jore Dea, ebenda. Ein gut erhaltener Pergamentdruck des Pentateuch, Lissabon 1491, und die gleichfalls auf Pergament gedruckten Festgebete (Maohsoi') nach dem Ritus der römischen Gemeinden, Soncinv und Casalmaggiore 1485—80, mögen ferner genügen, um den Wert dieser Frühdrucke zu charakterisieren. Aber auch abgesehen von diesen erhält jedes einzelne Fach unserer Iiebraiea einen bedeutenden Zuwachs. Bon Bibelausgaben und ihren Teilen erwähne ich die erste rabbiuijche Bibel, aus der Offizin Daniel Bvmberg's in Venedig 1510 -17 hervorgegangen, die Pergamentdrucke der Hagivgraphen, Saloniki 1515, und der Psalmen mit den Kommentare» des David Kimchi und Joseph Chajjun, Saloniki, ebenda 1522, sowie als Unikum die Klagelieder mit dem Kommentar des Joel Jbn Schoeib, Saloniki 1521. Eine noch weit größere Vermehrung erfährt die Sammlung der Ritualien. Die Ausgabe der Festgebete der katatonischen Gemeinde in Saloniki, ebenda 1527, dürfte überhaupt nur hier zu finden sein; von den täglichen Gebeten der arragonischen Gemeinde und den Hosohaauot der sizitischen Gemeinde, beide ans späterer Zeit,