Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Der Verfasser der Rede glaubt, das Ansehen der Gottheit und die Autorität der Bibel würden unter den Ansichten der Naturforscher leiden, weil diese nur das glauben wollen, was sie sehen. Dem ist jedoch nicht so. Nichts verherrlicht die Gottheit mehr als die Gabe, die sie den Menschen verliehen, das Weltall zu erkennen. Heißt es ja doch in unseren Psalmen: „Die Himmel verkünden die Ehre Gottes." Je mehr also „die Himmel", das Weltall, erforscht wird, desto mehr verkündet es die Größe Gottes! Zu sehen brauchen wir die Gottheit nicht und darin stimme ich mit Herrn Dr. Löwy überein. Die Bibel gewinnt nur an Wert, da die unvollkommenen Kenntnisse der damaligen Zeit ihre Verfasser nicht verhindert haben, die Größe Gottes zu erschauen und sie wäre auch sicher, namentlich in Bezug auf die Schöpfungs-Geschichte anders geschrieben worden, wäre man in den Forschungen der Wissenschaft weiter gewesen. Auch in den Beziehungen einzelner gottbegeisterter Menschen zur Gottheit, hätte man einen anderen Text, hätte man nicht ihn den rohen sinnlichen Begriffen der damaligen Zeit anpassen müssen. Gerade unsere heiligen Bücher predigen uns die Vervollkommnung, und was ist die Evolution, Entwickelung des Menschengeschlechtes anders, als Vervollkommnung? Die Religion selbst ist etwas viel zu hohes, als daß sie unter den Resultaten der Wissenschaft leiden sollte, im Gegenteil, sie gewinnt, tvenn sie im Geiste unserer Zeit, die viel mehr Ethik als in der Vorzeit enthält, und richtig gelehrt wird, wobei die Bibel als ein Werk des Altertums immer als ehrwürdig betrachtet werden soll. Aber ein vollständiges noli me tangere erzeugt nur Spötter und Ungläubige. Frankfurt a. M., im Juni 1901. Salomo» Levy. Monatsschau. Am 5. August ist unsere Kaiserin Friedrich nach langen,, mit Fassung und Geduld ertragenem Leiden von dieser Erde abberufen worden. In den tiefen Anteil, den die ganze zivilisierte Welt an der Trauer des deutschen Kaiserhauses nimmt fließt beschwichtigend die Empfindung, daß der Tod an dem Krankenbette in Friedrichshof als Erlöser gewaltet. Die vielfach stattgefundene» Trauerandachten in den Gotteshäusern aller Konfessionen gaben der wehmütigen Teilnahme schmerzlichen Ausdruck. Die edle Kaiserin hat im Sinne des ihr vorangegangenen unvergeßlichen Gemahls ihr Wolle» und Wirken in den Dienst der Kunst und Wissenschaft und in den Dienst werkthätiger Menschenliebe gestellt. Ihr Andenken wird stets fort-