Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Gnade; Deines Volkes Glück ist Leiden! Werde mein, lerne kennen Freuden, christliche Freuden!" Rahel Löwenstein antwortete am 28. Mai 1792 auf diesen Bekehrungs-Brief: „Heute und nie mehr schreibe ich. Ihr tadelt mein Volk, Ihr lobt wen — Segen und reichen Gewinn haben die Leiden unserer Väter kommenden Enkeln gebracht. Kein Volk steht so fest, wie Israel. Was nachdenkend Jsrael's Geist im Laufe der Zeit hat ersonnen, nützt Ihr, die Später«, ohne Verehrung und Dank! Wir haben auf zerbrechlichem Holz tobenden Stürmen getrotzt, und mit heiliger Ehrfurcht betrachten wir der Vergangenheit Nacht. Seh' ich ins Antlitz meines Vaters, so sehe ich die ganzen hohen Gestalten Israels. Eures Volkes Herz, voll arger Entwürfe, hat die besten meines Volkes dem Verderben geiveiht. Ihr habt mit heiligem Munde Sprüche gelehrt. Kläglich sind sie gefallen, verfolgt von Quälern und Mördern! Einst, nach langentschwundener Zeit,, werden Eure Enkel das Unrecht erkennen und Israels verstümmeltes Wesen frei lassen. Eure Priester sogar, die Geweihten des Herrn, haben ihr Saitenspiel durch Lügen ent ehrt. Nicht der Würdigen in Israel achteten sie, nicht die Bessern vermochten sie zu ehren. Geifernd erhoben sie im Namen des Himmels ein Gezeter — und wollten unser Volk belehren und bekehren? Wohl buhlten viele vom Hause Israels um der Gewaltigen Gunst. Daher sind sie für Israel verloren und von Israel verachtet. Verlaßt mich, lieber Fremdling, verlaßt niich! Darum bitte ich Euch. Verfolgt mich mit Eurer Liebe nicht mehr! Jst's Vorgefühl von Schwachheit und Angst, was mich so verwandelt, Euch zu bitten, fern zu bleiben? Mächte des Himmels! Mein Vater sollte wissen, was ich gethan! Erbarmet Euch mein — und macht nicht sorgenvoller mein banges Leben". Am 8. Juni 1792 schrieb Beethoven an Rahel Löwenstein: „Rahel, Du Holde, ich und Du — wir Kinder! O, lebe wohl, lebe wohl! Wir können uns nicht besitzen! Nimm Dir mein letztes Berschen zu Herzen! „Geh mit Deinem kranken Herzen, Komm und blute Deine Schmerze» Mutig aus Dir selbst heraus, Am Altar des Herren aus." Klauben und Wissen Unter dieser Ueberschrift bringt Nummer 6 der Monatsblätter 1901 eine Rede von Dr. Löwy in Temesvar: Der Verfasser der Rede stellt sich auf den Standpunkt des autoritäre» Glaubens und auf die Unantastbarkeit der Bibel, ohne die Forschungen der Wissenschaft ignorieren zu wollen, was er natürlich auch nicht kann und hierin unterscheidet er sich, jedoch nur wenig, voin Standpunkt der katholischen Kirche.