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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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203 Mayel Löwenstem und Ludwig van Beethoven. Als Ludwig van Beethoven im Jahre 1792 zeitweilig in Wien lebte, machte er durch Zufall die Bekanntschaft der siebzehnjährigen Rahel Löwenstein, die mit ivmiderbarer Schönheit und außerordentlicher Geistes- und Herzensbildung ausgestattet war. Er faßte eine ernste und tiefe Zuneigung zu diesem seltenen Mädchen und wollte es auch, wie aus nachfolgendem hervorgeht, heiraten, wenn es sich taufe» ließe. Aber das Liebeswerben Beethoven's scheiterte an der überzeugten Glaubenstreue Rahel's. Am 8. Mai 1792 schrieb Beethoven an Rahel Löwenstein: „Wie lange sucht vergebens Dich doch mein düstrer Blick? Die Sonne meines Lebens Kehrt erst mit Dir zurück. Auf allen meinen Pfaden Erlischt des Tages Schein, Ich bin mit Schiuerz beladen Verlassen und allein". Am 11. Mai 1792 antwortete Rahel: „O eitler Wahn! Schon schwindet Das holde Tranmgesicht; Mein Auge sucht und findet, Mein Arm erreicht Dich nicht. Uns trennen hohe Hügel Ewig fern bleibt uns Glück. Gieb Deiner Liebe Zügel Und trage Dein Geschick." Bei einer Zusammenkunft der beiden Liebenden am 19. Mai 1792 gab sich Rahel als Jüdin zu erkennen. Dies hielt aber den in Liebe entbrannten Meister nicht ab, ihr am 26. Mai zu schreiben: „Ich nenne Dich Du. Du ververzeihst es mir gewiß! Ich kann Dich nicht lasse», wenngleich Du eine Jüdin bist! Die heilige Schrift kennt die Rainen der Männer Deines Volkes, sie erzählt, was sie einst für glänzende Thaten gethan. Aber ich ivandte den Blick und sah in die Tiefe meines Herzens meines Tempels Heiligtum: den Heiland! O, warum stehen nicht alle Mensche» einig um das Feld des Erlösers? Welche Verwüstung ist hier auf Erden — und welch' ein neidisches Schicksal hat in Trümmer und Nacht uns Menschen gestürzt. Rahel, geliebtes Wesen, um meiner zärtlichen Sorge Willen, erkenne des Erlösers Herrlichkeit an, denn von Geschlecht zu Geschlecht wird glänzender sein Name ans Erden! Für Dein Volk hat man keine

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