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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 in die große Wüste hinein. Ob es nützt nnd heilsam wirkt, stelle ich dem anheim, der kein frommes, gutgemeintes Wort zur Erde fallen läßt. Was würde aus uns Lehrern und Predigern werden, wenn wir diesen Glauben nicht halten! Einen anderen Stab, andere Stützen haben wir ja nicht!" Di', jur. et pliil. Wolfgang Wessely, Professor der Rechte in Prag, schreibt über die Probepredigten in Wien von Prag am 4. April 1856: „Während meiner Anwesenheit in Wien wurden einige Probepredigten für die ausgeschriebene zweite Predigerstelle gehalten. "Ich habe keine angehört. Ich begreife nicht, wie sich Männer, die im Amte stehen, zu solchen Experimenten herbeilassen können, aber noch unschicklicher ist es für eine Gemeinde wie Wien, die zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nimmt und nicht vorzieht, einen als Prediger und Theologen anerkannten Mann zu berufen. Bereits haben die Kabalen begonnen und wer es am besten versteht, sich unter Weiberröcke zu stecken nnd gewissen Eitelkeiten zu huldigen, ivird den Sieg davontragen." — Am 5. Januar 1859 wendet sich Holdheim an Löw, damit er ihm eine geeignete Persönlichkeit als Prediger für die Reformgemeinde empfehle. Er schreibt: Theologisch-wissenschaftliche Befähigung nnd tüchtige reformatorische Kraft ist meine, eine glänzende Beredsamkeit und die dazu erforderlichen äußeren Gaben die Forderung der Gemeinde. — Am 2. September 1859 schreibt I. M. Jost von Frankfurt a. M.: Rechnen Sie ja nur nicht auf meinen Fleiß. Thätiger kann niemand sein als ich, aber ich habe den Tag als 14—15 Arbeitsstunden und die reichen nicht hin für jährlich 509 Briefe, für die unendlichen Ansprüche von seiten mildthätiger Vereine, die ich leite und zahlloser Privaten, so daß ich an Befriedigung des eigenen Nutzens gar nicht denken kann. Ich danke, wie gesagt, dem Geber alles Guten, daß er mich in Stand gesetzt hat, ans Vermehrung des Eigentums verzichten zu dürfen nnd weihe meine ganze Muße humanen Zwecken. Ich habe nicht viel Zeit mehr zu erwarten, mein Herbst ist da. Am 18. Oktober schreibt er: Dem Auerbach (Jakob) habe ich ihre Bestellung ausgerichtet. Er will sehen, ob er etwas vorrätig hat. — Er ist seiner Natur nach etwas langsam und ehe er etwas aus der Hand giebt dreht er es noch sechsmal um, — ich meine, eine nicht ganz fehlerfreie That sei mehr wert als die genaueste Erkenntnis. Denn die That ist zugleich eine Saat, aus welcher Früchte erwachsen; fallen diese nicht gut aus, so können andre sie veredlen. Die bloße Erkenntnis, die nicht ans Licht kommt, fällt aber mit ihrem Besitzer ins Grab nnd giebt nicht einmal den Maden einen Schmaus. — Di*. Leop. Kompert schreibt am 8. Februar 1860: Ueberdies bin ich der Meinung, daß unser Volk trotz aller Minnesänger, deren ja auch Gervinus anführt u. s. w. eigentlich nicht gesungen habe. Ich meine Singen im buchstäblichen Sinne des Wortes. Die Erscheinung, daß Juden es sind, die im Männerchor die Lieder des deutschen Volkes singen, also in die allgemeine Volksstimmung eintönen, diese Erscheinung ist, wie ich glaube, neu und ein Zeichen der erwachenden Lebensfröhlichkeit, sie ist es, die auch mich politisch ergriff. (Schluß folgt.)

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