Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 . Gesetzbuch zu Tage kam. stammte aus Spanien, gelangte aber erst zu seiner großen Bedeutung im Morgenlande. Hier hielt sich I. Karo in verschiedenen Städten i auf, bis er sich zu Safet, jener heiligen Stadt Palästina's, geweiht als Wohnsitz des kabbalistischen Gottesmannes R. Jizchak Luria, als Wundermann verherrlicht, mit dem höchsten Ehrennamen: „Maran“ unser Lehrer gefeiert sah f und daselbst (1575) im hohen Greisenalter starb. Auch er war ein eifriger Anis Hänger der Kabbala, welche ihm aber den Kopf so erhitzte, daß er allen Ernstes - sich und anderen einredete, es lebe in ihm ein leibhaftiger offenbarender Geist und Engel, der mit ihm und aus ihm rede (Maggid). Er hatte sich nämlich früher in die Mischna tief versenkt, die er auswendig kannte, und nun wähnte er, dies selbe habe sich in ihn versenkt und verkünde ihm als selbstständiges Engelswesen [ die kommenden Dinge, vor Allem aber seine eigene künftige Größe. Und der Mann war kein Betrüger, noch hielten ihn seine Bewunderer für irrsinnig. Er glaubte an sich selbst, und das ist immer das beste Mittel für einen Wunder-!' mann, daß die anderen an ihn glauben. — Es ist erstaunlich, was man dem gläubigen Gemüte der Menschen alles zu bieten wagen darf. So wird uns von einem gewissen R. Salomon Alkabiz, dem Schwiegersöhne des R. Joseph Karo, der auf jenen den heiligen Geist — Ruach hakodesch — übertragen habe, ein gar merkwürdiges Märchen als baare Wahrheit erzählt. Man war nämlich am Vorabend des Wochenfestes in andächtiger Mitternachtfeier vereinigt; man las verschiedene Stellen der heiligen Schrift und ging dann zum Lesen der Mischna über — aber kaum war diese begonnen, da öffnete der „Chasid“ — R. Joseph Karo — seinen Mund, mit so gewaltiger Stimme, daß alle Anwesenden vor Schauer und Schrecken auf ihr Angesicht fielen. Und die „Mischna" redete aus ihm heraus und sprach: „heil, heil Euch und Denen, die Euch geboren! Ihr habt auf meinem Haupte die wankende Krone befestigt, und Eueres Mundes Hauch durchdrang alle Räume der Lust und des Himmels, und die Engel schwiegen, und die Seraphim verstummten, und die heil. Tiere starrten, und alle Heere Gottes lauschten auf Eure Stimme. Ich, die; Mischna bin daher gekommen, um zu Euch zu reden; ermannet Euch und fahret f also fort; denn der Zug der Gnade ist gerichtet auf Euch, und dem Heiligen, gelobt sei Er, ist süß Eure Tora!" — Es läßt sich denken, was solche Offenbarung für einen Eindruck auf diejenigen muß hervorgebracht haben, die ihrer gewürdigt wurden! — Mit welchen Schauern laß ich selbst als glaubensentzündeter Knabe diese merkwürdige Stelle im heiligen „Sehelo“! — Dieselbe hat das thatsächliche >, Ergebnis gehabt, daß bis auf den heutigen Tag am Vorabend des Festes der l Gesetzgebung unwissendes Volk sich des Schlafes beraubt, um in der Mitternacht j beim Genüsse eingemachter Früchte, Bibel- und 2 almudstellen unverdaut herzusagen!; und auf diese Weise mit dem Dienste der Gedankenlosigkeit zu feiern den Tag der! . lichtvollsten Offenbarung vom Sinai! — d