Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969906-2969915--6379-2975743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zu höchster Sparsamkeit, Enthaltsamkeit, Fleiß, Wissensdrang und Gott ergebener Geduld erzogen und die so musterhafte jüdische Familie herangebildet. Die katholische Kirche endlich, die beste und erhabenste aller Konfessionen, die das meiste Elend lindert, die meisten Thräne» trocknet, die meisten Leidenden tröstet, die durch die Fülle ihrer Gnadenmittel und durch die erhabene Caritas so vieler ihrer Mitglieder es wie keine versteht, den armen und leidenden Menschen (also der ungeheuren Majorität) von der Wiege an bis zum Grabe helfend und tröstend zur Seite zu stehen, ihnen die schweren Mühsalen des Lebens erträglich zu machen und den bitteren Todeskampf zu erleichtern, hat den größten Prozentsatz heiliger Menschen geliefert; Männer wie z. B. jenen Pater Damien, der sich auf einer der Sandwichs-Jnseln 14 Jahre mit den Aussätzigen einschloß, bis er selbst daran zu Grunde ging; Missionare, die alles, was das Leben bieten kann, Familie, Ruhm, Vermögen, Vaterland für immer auf nie mehr Wiedersehen verlassen, um in Japan oder Birma bis zu ihrem Lebensende ekelhafte Aussätzige zu pflegen; edle Männer und Frauen, die in die Cholera- und Pestspitäler dringen, um Kranke und Sterbende zu pflegen und zu trösten; Nonnen, die sich ohne Widerspruch in Länder mit den tötlichsten Klimaten schicken lassen, den baldigen, sicheren Tod vor Augen; barmherzige Schwestern, die auf blutigen Schlachtfeldern mitten während der Schlacht ihres erhabenen Amtes walten. So erstrebt denn jede Religion mehr oder weniger dasselbe. Die eine erreicht einen höheren Prozentsatz von Tugenden unter ihren Gläubigem leichter in dieser Richtung, die andere mehr in jener, wobei ich unter dem Worte „Gläubige" die Gesamtsumme aller jener vorstelle, die zufällig in einer Konfession geboren sind. Mit einem Worte, jeder Jude, sowie jeder Katholik und Protestant im Staate.der österreichisch ungarischen Monarchie und sicherlich wohl in jedem anderen Staate Europas kann auf seinen entsprechenden, vom Staate anerkannten und gebilligten Katechismus Hinweisen, wenn er nach den Grundsätzen der Moral gegen Andersgläubige befragt wird. Da steht zu lesen, und jedes kleine Schulkind muß es auswendig büffeln: „Wer ist mein Nächster? .Mein Nächster ist jeder Mensch, gleichgiltig welchen Glaubens und welcher Nationalität " Was Fanatiker vor vielen Jahrhunderten einmal gedacht und geschrieben haben, ist vielleicht interessant für den, der Völkerpsychologie studirt und für einzelne Gelehrte; fürs praktische Leben hat es nicht die geringste Bedeutung. Deo gratias!“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.