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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 195

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 mit der des christlichen Katechismus identisch. Gerade so wie unsere christlichen Religionslehrer in den christlichen Schulen sich wohlweislich hüten, ihren Schülern die feindseligen Aussprüche mittelalterlicher, katholischer und protestantischer Theologen gegen Häretiker, Ketzer nnd Ungläubige vorzutragen, ebenso hüten sich die jüdischen Religionslehrer davor. Sie müßten auch auf den Kopf gefallen sein, würden sie anders handeln. Wir wissen, daß es zahlreiche, sogar gläubige Juden giebt, welche in reichstem Maße Wohlthätigkeit üben auch gegen arme Christen. Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß, wenn ein Rabbiner einem solchen Juden sagen würde, Wohlthätigkeit gegen Christen sei gegen die jüdische Moral, der Jude diesen Rabbiner zur Thür hinauswerfen würde. Das wissen die Antisemiten alle sehr genau. Was soll also das fade Geschwätz über jene alten, heute längst zu Mumien verdorrten fanatischen Stellen des Talmuds? Der schlechte Jude wäre ebenso schlecht ohne dieselben, geradeso wie es schlechte und lasterhafte Katholiken giebt, trotz der moralischen katholischen Lehre. Der gute Jude ist gut und wohlthätig trotz dieser Stellen und der Aufgeklärte sogar trotz jener, die zur Wohlthätigkeit und Toleranz mahnen, er wäre auch ohne die letzteren ebenso wohlthätig und edel. Dasselbe gilt auch für Christen und Muslims mit Bezug auf deren Religion. Die Religion ist immer nur eine Hilfe für den Menschen, um moralisch zu werden und zu bleiben. Es giebt Wahrheiten, die so banal und selbstverständlich sind, daß einen geradezu ein Gähnen überfällt, wenn man sie auszudrücken Veranlassung hat. Eine solche Wahrheit, — die das non plus ultra eines faden allbekannten Satzes ist, — ist die, daß es gute und schlechte Menschen giebt in allen Religionen, daß es also keine Religion giebt, die für sich allein den Menschen gut oder schlecht zu machen die Fähigkeit hat- Die eine kann mehr auf die Entfaltung dieser, die andere auf die Entwickelung jener. Tugend förderlich wirken. So gebührt dem Buddhismus der ewige Ruhm, auch die Rechte des Tieres auf gerechte Behandlung durch die Menschen anerkannt und ausgesprochen zu haben, sowie die Glorie, diejenige Religion zu sein, welche die wenigsten Beispiele von Religionsverfolgung aufzuweisen hat, keine blutigen Tieropfer kennt und in tolerantester Weise ihren Gläubigen Immer erlaubt hat, auch anderen Religionsgesellschaften gleichzeitig anzugehören und ihren Kult mitzumachen. So sind z. B. in Japan viele Buddhisten gleichzeitig Shintoisten und in China Taoisten und Confucianer. Der Islam wieder hat den kleinsten Prozentsatz von Trunkenbolden, Atheisten, Materialisten, Selbstmördern und Prostituirten. Der Protestantismus hat in drei Ländern, wo er die herrschende Religion ist, nämlich in England, Amerika und Schweden, das Duell abgeschafft und fossil gemacht; er erfreut sich des geringsten Prozentsatzes von Konkubinaten, unehelichen Geburten und anderer Laster dieser Gattung; auch hat er den Boden für die Aufklärung vorbereitet. Das Judentum hat seine Gläubigen

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