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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-09-01 · Heft 9 (1.9.1901) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 9 (1.9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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— 194 — 36 Stellen hat die heilige Schrift „jede Kränkung des Fremden auch nur mit kränkenden Worten verboten." Resch-Lakisch sagte: „Das Recht des Fremden beugen heißt das Recht Gottes beugen. Offene Schädigung an Nichtjuden ist schlimmer als Raub an Juden, denn jene ist zugleich Entweihung des göttlichen Namens." Lazarus sagt: „Aber nicht der Fremde in Israels Mitte, der Fremde und Beisasse, sondern auch der Wildfremde soll rechtlich und freundwillig behandelt werden. Der Kunstausdruck für diesen lautet immer: „Der Fremde auf dem Markte"; auf dem Markte, der unterschiedslos die verschiedensten Menschen anzieht, wo deshalb auch völlig Unbekannte sich zusammenfiyden. Ein Lieblingswort des Abaji war es: „stets sei der Mensch erfinderisch in der Gottesfurcht, sanftmütig und zorndämpfend und den Frieden fördernd unter seinen Brüdern, seinen Freunden und allen Menschen, selbst mit den Fremden auf dem Markte, damit er geliebt sei in der Höhe und beliebt sei hier unten (bei Gott und Menschen) und annehmlich bei allen Geschöpfen (Berachoth 17 a). Zu dieser Empfehlung des Wohlwollens und friedlicher Gesinnung wird gleich darauf noch von R. Jochanan b. Sakkai erzählt, daß auch seine Zuvorkommenheit Jedermann, auch den Fremden auf dem Markte galt. Da bei diesen schönen Talmudstellen sich sehr häufig der Zusatz findet „wegen der Sitten des Friedens", ist es den Feinden der Juden eingefallen, die Sache so zu deuten, als ob den Juden Freundlichkeit und Wohlthätigkeit gegen Nichtjuden bloß aus Politik angeraten wäre, d. h. um mit den Nichtjuden soviel als möglich im Frieden auszukommen; eine sehr boshafte Deutung, die hinfällig wird durch einen anderen Talmudausspruch, welcher lautet: „Die ganze Thora ist nur wegen der Sitten des Friedens". Diese Stellen verschweigen und nur die fanatisch angehauchten reproduzieren, ist gegen die Gerechtigkeit und verstößt in einem gewissen Sinne auch gegen die Wahrheit, denn halbe Wahrheit ist nicht reine Wahrheit. Wenn nun alle Aussprüche der Rabbinen inspiriert sind und wahr, so möchte ich wissen, was davon zu halten ist, wenn sich solche Aussprüche schnurstracks widersprechen? Offenbar hat dann der gläubige Jude die Wahl, sein Thun und Lassen einzurichten nach dem fremdenfeindlichen oder -freundlichen Texte. Diese Wahl zwischen Gutem und Bösem hat er nun auch so wie so, ganz nnd gar wie mit, so ohne Talmud. Das lehrt aber auch die tägliche Erfahrung. Wir wissen, daß es Juden giebt, die über den Talmud lachen, andere, die sich darüber einfach hinaussetzen. Die ungeheure Mehrzahl der Juden hat natürlich keine Ahnung davon, was drin steht. Rabbiner, die religionsfeindliche Stellen im Talmud kennen sollten, werden sich hüten, sie ihren Schäflein vorzutragen, um nicht in unangenehnie Situationen und mit dem Unterrichtsministerium in Kollision zu geraten. Wir kennen genau die in unseren Schulen gebrauchten jüdischen Katechismen, jeder kann sich davon überzeugen, — sie kosten nur wenige Heller. — Die Sittenlehre, die drinnen abgedruckt ist, lautet

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