Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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T - 184 - Lessing erhielt durch diese satyrische Dedikation keinen geringen Schreck, denn er glaubte, sie sei allen Exemplaren vorgedruckt und Mendelssohn's Zweck war also erricht. Wonatsschau. Ueber Hermann Levi's, des verstorbenen Generalmusikdirektors Bedeutung für das Münchener Musikleben entnehmen wir einem Feuilleton der „Nationalztg." folgende interessante Notizen: . . . Das heilige Feuer, das der alte Lachuer einst entzündet, und das Bülow zur hellsten Flamme entfacht, drohte allmählich in dem Musentempel am Max Josef-Platz zu erlöschen. In jenen Tagen kebrte die damals hochberühmte Sängerin Sophie Stehle von einem Gastspiele aus Karlsruhe nach München zurück. Sie rühmte die fascinirende Dirigentenkraft des jungen Kapellmeisters Hermann Levi in Karlsruhe, und auf ihre Empfehlung hin entschloß sich der Intendant Frhrvon Perfall, die dauernde Gewinnung dieses jungen Talents für München zu betreiben. König Ludwig genehmigte die Berufung, und der mit allgemeiner Spannung Erwartete trat im Oktober >872 zum ersten Male vor das Münchener Publikum. In der „Zauberflöte" legte der junge Dirigent die erste Probe seiner bedeutenden Talente ab. Bald darauf überraschte Levi die erwartungsvollen Musikfreunde durch eine wohlvorbereitete Aufführung der „Meistersinger." Nicht lange währte es, und Levi stand endlich allein herrschend an der Spitze des musikalischen Lebens in München, und wie Lachner und Bülow vor ihm, so hat auch er es verstanden, im Laufe zweier Jahrzehnte den Darbietungen der Oper und des Konzertsaales durch seine bezwingende Persönlichkeit ein glänzendes Gepräge zu verleihen. Hermann Levi war ein Charakter von nie versagender Herzensgüte, von hinreißender Liebenswürbigkeit. Reiche Erfahrung, scharfe Beobachtungsgabe und ein durchdringender Verstand, haben in ihm eine Lebensphilosophie entwickelt, die seinem feurigen Temparement über die unvermeidlichen Mißhelligkeiten des Theaterbetriebes glücklich hinweghalf. Seine Mildthätigkeit war unerschöpflich Das „leidige verwünschte Geld," dem er wohl zur Erreichung hoher Ziele eine unschätzbare Macht zuschrieb, hatte für ihn persönlich nur geringen Werth. Als Dirigent besaß Levi eine großzügige Anschauung von der Aufgabe des musikalischen Führens in einer Kunststadt. Die objektive Beurtheilung zeitgenössischer Opern resultirt nicht zum geringsten Theile aus seiner Entsagung auf Komponistenruhm. Ein Kapellmeister, der in hohem Grade schöpferisch veranlagt ist, wird eine bestimmte Richtung nur sehr schwer verleugnen können. Der Dirigent in absolutem Sinne aber soll keiner bestimmten musikalischen Strömung folgen, er soll über den Massen stehen. Eine große Zahl Werke führte er an dem Münchener Hoftheater und in den Konzertsälen auf. Neben den deutschen Meistern Brahms, Bruckner,