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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-08-01 · Heft 8 (1.8.1901) · p. Seite 183

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 8 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
Seite 183 (sequence 15)
Language
German
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- 183 - Wir schließen diese Vorarbeit zu einem größeren Werke mit dem Wunsche, daß auch sie so ausgenommen werden möge, wie unsere vor einigen Jahren erschienene Schrift: „Hat Moses Maimonides dem Kripto-Mohamedanismus gehuldigt?" Lessing und Mendelssohn. Als Lessing in Breslau als Sekretär des Generals Tauenzien lebte, opferte er seine litterarische Thätigkeit einer Zerstreuung, welche bei seinen Freunden große Besorgnis erregte, nämlich dem gedankenlosesten aller Spiele dem Pharo. Ihm aber diente, wie er sich selbst äußerte, diese Beschäftigung zu offenbarem Gewinne indem sie durch die Beobachtung der Leidenschaften, seine Kenntnis der menschlichen Natur vermehrte. Einer seiner Freunde, der ihn am Pharotische beobachtete, sah wie ihm die Hellen Schweißtropfen auf der Stirne standen, obgleich er gerade sehr glücklich spielte. Als ihm der Freund beim Nachhausegehen Vorwürfe machte, daß er dadurch seine Börse und seine Gesundheit zerrütte, aotwortete er: „Du irrst. Wenn ich kaltblütig spielte, würde ich gar nicht spielen. Ich spiele mit gutem Grunde so leidenschaftlich; die heftige Bewegung setzt meine stockende Maschine in Thätigkeit und bringt die Säfte in Umlauf, sie befreit mich von einer körperlichen Angst, an der ich oft leide." Uebrigens scheint die wachsende Leidenschaft zum Spiel Lessing dermaßen in Anspruch genommen zu haben, daß er seine Freunde, namentlich die in Berlin, ganz vergaß, und wenn er an sie schrieb, litterarische Gegenstände ganz vermied. Moses Mendelssohn, der sich unter seinen Freunden am meisten für ihn interessirte, warnte ihn in einem Briefe, und als dies nicht fruchtete, ließ er in einige Exemplare seiner philosophischen Schriften, von denen er eins Lessing sandte, drucken: „Ich lege meine Blätter zu Füßen eines Götzen nieder, der den Eigensinn hat, sehr harthörig zu sein. Ich habe gerufen und er antwortet nicht. Jetzt verklage ich ihn vor dem Richter, dem Publikum. Die Spötter sagen: rufe laut, er dichtet, oder hat zu schaffen, oder ist über Feld oder schläft vielleicht — daß er erwache! — O nein, dichten kann er, aber leider, will er es nicht, reisen möchte er, aber das kann er nicht. Zum Schlafe ist sein Geist zu munter und zu Geschäften zu lässig. Sonst war sein Ernst das Orakel der Weisen, sein Spott eine Rute auf dem Rücken der Thoren. Jetzt aber ist das Orakel verstummt und die Narren trotzen ungezüchtigt. Er hat seine Geißel Anderen übergeben, aber sie streichen zu sanft, denn sie fürchten Blut zu sehen. Und er — Wenn er nicht hört, nicht spricht, nicht fühlt. Noch sieht, — was thut er denn? — Er spielt."

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