Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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185 Ignaz Brüll, Goldmark, Humperdink, Richard Strauß u. A. finden wir Berlioz, Bizet, Saint-Saöns vertreten, die Italiener und die Nordländer kommen nicht minder zum Wort. In der musikalischen Ausarbeitung der Oper verstand es Levi, das Hauptmoment ihres dramatischen Inhalts greifbar zu gestalten. Er war der Regisseur am Dirigentenpult, der dem Regisseur auf der Bühne in glücklicher Weise in die Hände arbeitete. — Ein von den Kabbinern, den Mitgliedern des Oberrathes und der Synode, sowie viele» andern hervorragenden Israeliten des Großherzogthums Kaden Unterzeichneter Aufruf regt die Begründung eines Landesverbandes an, um soziale Aufgabe» innerhalb der jüdischen Gesammtheit des Großherzogthums in Angriff zu nehmen. Es handelt sich um weitgehende, umfassende Organisationen humanitärer Art, die insbesondere dazu dienen sollen, Handwerk und Bodenkultur unter den Juden mehr zu verbreiten und die wirthschaftlich Schwachen in ihrem Vorwärtskommen zu unterstützen. — Klöcker hat am 8. März in Berlin über die Frage: „Hat der Antisemitismus eine Zukunft in Deutschland" gesprochen. Er beantwortete sie nach einem Bericht des „Volk" folgendermaßen: Der deutsche „Rassenantisemitismus" gewiß nicht. (Widerspruch.) Ich habe ja schon bewiesen, daß er unhaltbar ist. Warum haßt er den Japaner nicht? (Ruf: Weil er uns nicht gefährlich werden kann!) Der Rassenantisemitismus, der die Juden nicht blvs bekämpft, sondern beleidigt, kann keine Zukunft haben, weil er geistig nicht berechtigt ist. Menschen soll man überhaupt nicht hassen, sondern Mächte. Ich habe nie die Juden persönlich gehässig bekämpft. Auch der Antisemitisnrus, der das „Alte Testament in den Kampf zieht," hat keine Aussicht,, ebensowenig der Geschäftsantisemitismus. Wenn man hört, daß Leute, die sogar als Antisemiten im Vordergrund stehen, heimlich für jüdische Blätter arbeiten, dann packt einen der Menschheit ganzer Jammer an! Aus der Rede Stöcker's sei noch hervorgehoben, daß er meinte, die Aufhebung der Judenemanzipation sei heute nicht mehr durchführbar. Für die seit 1879 datirende antisemitische Bewegung übernehme er gerne die Verantwortung, wenn auch nicht für jede Einzelheit. Als einen Erfolg der antisemitischen Bewegung bezeichnete er den Umstand, daß das Judenthum auf der ganzen Linie aus der Offensive in die Defensive gedrängt worden sei. In diesem Zusammenhänge sagte - Stöcker: „Als ich in's Abgeordnetenhaus kam, waren dort eine ganze Anzahl Juden; dann vergingen wohl zehn Jahre ohne einen Juden im Landtage." Er vergaß hinzuzufügen, daß gegenwärtig wieder drei Juden dem Abgeordnetenhause angehören, während er (Stöcker) draußen geblieben ist. Einen Erfolg der antisemitischen Bewegung erblickt Stöcker auch in dem Auftreten des Zionismns. — Die „Deutsche Grient-Gesellschaft" in Kerlin versendet ihren dritten Jahresbericht, dem wir folgende Mittheilungen entnehmen: „Die erste Hauptaufgabe, welche sich die „Deutsche Orient-Gesellschaft" gestellt hat, besteht satzungsgemäß in der Veranstaltung von Ausgrabungen an den Culturstätten des orientalischen Alterthums behufs Aufdeckung von Baudenkmälern, sowie Auf-