Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 tend Urteil gesprochen. *) Maimonides ragte eben geistig hervor, er hat andere Augen, ein anderes Herz, einen anderen Willen und ein anderes Gewissen, und deshalb war er auch tut Stande den Knoten des blinden und dürren Fanatismus zu lösen. Er ist seinen Weg, einsam und rüstig, aber sicher gegangen. „Diese Leute", äußert sich Maim. in der Einleitung zum 10. Abschnitte des Traktat's Sanhedrin, „fassen die Aussprüche unserer Weisen wörtlich auf und wollen unter keiner Bedingung sie anders erklären, so daß nach ihrer Ansicht das Unmögliche zum Wirklichen wird. Dieses geschieht wegen ihrer mangelhaften Kenntnis der Wissenschaft und wegen des gänzlichen Fehlens wissenschaftlicher Anregung, sowohl aus eigener Beschäftigung, wie infolge der Belehrung von außen her. Daher meinen sie, daß die Weisen mit ihren gediegenen Aussprüchen keinen.andern Sinn verbanden, als denjenigen, welchen sie den Worten nach finden, obschon Manches davon so vernunftwidrig ist, daß selbst der gemeine Mannsagen müsse, es sei unmöglich, daß jemand etwas derartiges glauben könne. Solche Leute sind zu bedauern wegen des Mangels an Einsicht. Sie glauben die Weisen zu ehren und überhäufen sie ohne es zu merken, mit Schande, indem sie ihnen Verkehrtheiten zuschreiben. Ebenso thöricht handeln namentlich jene Exegeten und Prediger, die die große Menge über etwas belehren, was sie selbst nicht verstehen und es wäre besser, wenn sie schweigen würden, oder zugeben, daß sie hier den -Sinn nicht begriffen."^ Noch entschieden rationalistischer als in Bezug auf die Engellehre, ist M. Anschauung in Bezug auf die bösen Geister. Hierin nimmt er eine geradezu oppositionelle Stellung zu allen anderen jüd. Religionsphilosophen ein, welche die wirkliche Existenz von Dämonen mit Rücksicht auf talmudische Stellen anerkennen?) „Keine Handlung der Zauberei", sagt er nämlich^) „kann ohne Betrachtung der Sterne zu Stande kommen." Die Heiden glaubten nämlich, daß jede Pflanze, jedes Thier und jedes Metall einem Sterne angehöre. Ferner glaubten sie, daß die Handlung, durch welche die Zauberei zu Stande kommt, eine Art Cultus für *) Vgl. Finkelscherer: Moses Maimun's Stellung zum Aberglauben (Berlin 1899) ©. 75 Anm. 3. F. behauptet mit vollem Rechte, „daß bis heute in gewissen Gegenden die Tage des abnehmenden Mondes, als ungünstig für wichtige Unternehmungen betrachtet werden, so daß nicht nur vor Kurzem sondern auch jetzt noch in Polen, Marmarosch und Rußland Ehen zu Ende des jüd. Monats nicht geschloffen werden, da man sicher glaubt, daß solche unglücklich sein müssen- Der Montag wird überhaupt als Unglückstag angesehen und man will einen Beleg dafür in der Schöpfungsgeschichte finden, weil die Bibel bei diesem Tage den Ausdruck „ki tauw“ <da es gut ist) nicht gebraucht." ») Bergl. Finkelsch. a. a. O. S. 26. s) Bergl. Finkelsch. l. c- S. 40, und Rofln „Die Ethik des Maimonides" (Breslau 1876) pag. 1-34. 4) More Th. III., Kap. 37 und Bardowitz „Die rationale Schriftauslegung des Maimonides" (Berlin 1893), pag. 47, Anmerkung 66.