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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-08-01 · Heft 8 (1.8.1901) · p. Seite 177

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 8 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 das Gesetz fordert, damit er sein Versprechen und seine Zusagen halten kann. Gegen die, welche durch gerichtlichen Spruch seine Schuldner werden, soll er nachsichtig und milde sein, er falle niemanden in's Handwerk, noch kränke er Jemanden sein Lebelang, denn es ist besser ein Verfolgter als Beleidiger zu sein. „Derjenige", so schließt Maimonides diese Abhandlung, „der alle seine Handlungen nach diesen Grundsätzen einrichtet, von dem heißt es (Jesaia 49.) „mein Knecht bist du Israel, durch den ich mich verherrliche." — Wir haben schon an anderer Stelle die Ansichten des Maimonides über Amulette mitgetheilt und nachgewiesen, wie er mit Hohn und verächtlichem Tone darüber spricht und wollen nur hier noch seine Polemik gegen den praktischen abergläubischen Mißbrauch hervorheben, den er mit einer, sonst bei ihm nicht anzutreffenden Schärfe und Heftigkeit führt. „Unendlich weit vom Sinne des Talmuds", so sagt Maimonides „ist jene große Menge entfernt, die unter dem Namen nichts weiter als leere, unzusammenhängende Buchstaben verstanden wissen will und vermittelst derselben zu Erhabenem gelangen zu können vermeint. Die Veranlassung zu solch unsinnigem Glauben, gaben unwissende und dabei böse Menschen, die die talmudische Ueberlieferung als weites Feld für die Verbreitung von Lügen gebrauchten Diese stellten die Behauptung auf, daß die Zusammenstellung von beliebigen Buchstaben schon einen Gottesnamen bilde, der alsdann in bestimmter Weise geschrieben oder ausgesprochen, außergewöhnliche Wirkung übe. Schriften solch' böswilliger Jngnoranten kamen in den Besitz frommer, jedoch scharfsinniger und kritikloser Männer, die sie aufbewahrten, und die Menge, die solche Schriften in deren Nachlaß fand, hielt den Inhalt für reine Wahrheit. „Ich war veranlaßt," schließt Maimonides diese Ansichten, „diesen puren Wahnsinn zu widerlegen, obschon er als solcher sich jedem Denkenden offenbart, wegen der großen Verbreitung, die diese Thorheit unter dein Volke gefunden."*) Entsprechend der hier entwickelten Ansicht, verurtheilt M. an anderen Stellen auch die Anwendung von Bibelversen zu mystischen Zwecken. Er betrachtet einen, solchen Gebrauch als dem Geiste des Judenthums widersprechend und sieht ihn geradezu als Sünde an, die des ewigen Lebens verlustig macht. „Diejenigen, welche auf die Mesusa Engxlnamen oder sog. heilige Namen, ja nur Bibelverse schreiben, haben keinen Antheil am ewigen Leben. Diese Thoren halten nicht nur nicht das göttliche Gesetz, sondern würdigen auch ein so erhabenes Gebot, wie die Anerkennung der Einheit Gottes, die Liebe zu ihm und seine Verehrung, welche die Mesusabestimmung zum Ausdrucke bringt, herab zu einem Amulett, das ihnen nach ihrer thörichten Vorstellung nützen soll." Auch im Bezug auf Zauberei und Geisterbannung hat er sein vernich- ') Vergl. More Nebuchim Th. I. Kap. 62.

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