Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-08-01 · Heft 8 (1.8.1901) · p. Seite 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 8 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969906-2969914--6358-2975721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

176 flickten Schuhe, wohl aber im Regenwetter, wenn er mittellos ist. Er gehe nicht duftend von riechenden Salben auf der Straße, mache nicht seine Kleider wohlriechend und thue nicht Riechendes in sein Haar. Zur Reinigung des Körpers aber ist es gestattet. Man gehe auch Nachts nicht allein aus, es sei blos, wenn man seiner Studien wegen, zu einer bestimmten Stunde es thun muß. All dies beachte der Weise, um jeden Verdacht zu verhüten. Der Weise eße, trinke und ernähre seine Familie nach seinem Vermögen, verrichte seine Handlungen mit Rechnung und bürde sich keine übermäßige Last auf. Unsere Weisen lehren: „Man esse nur dann Fleisch, wenn man ganz besondere Lust dazu hat", wie es heißt: „wenn deine Seele gelüstet Fleisch zu essen" (Deuteronomium 12). Dem Gesunden genügt jeden Freitag Abend Fleisch zu genießen. Wer aber so reich ist, daß er täglich Fleisch essen kann, der möge es thun. Die Weisen gebieten uns, zu essen und sich zu kleiden unter den Vermögensverhältnissen, und Frau und Kinder über dieselben zu ehren. Der Vernünftige bestimme sich vor allen Dingen ei» Geschäft, das ihn ernähre, hierauf erst schaffe er sich eine Wohnung an und dann erst heirathe er. Wie es heißt (Deuteron. 20): „wer ist der Mann, der einen Weinberg gepflanzt hat und nicht die erste Weinlese gehalten? wer ist der Mann, der ein neues Haus gebaut hat und es noch nicht eingeweiht? Wer, der sich einem Weibe verlobt und es noch nicht heimgeholet?" Die Thoren beginnen zuerst mit der Heirath, kaufen sich dann, wenn es möglich ist, ein Haus und suchen nachher erst zuletzt einen Erwerb oder Almosen. So heißt es auch unter den Flüchen (ibid 28): „Eine Frau wirst du dir verloben, ein Haus wirst du dir bauen, einen Weinberg wirst du pflanzen," welches bedeutet: deine Handlungen werden verkehrt sein, damit du auf deinen Wegen kein Glück findest. Unter den Segnungen (Samuel 18), heißt es dagegen: „Und David handelte weislich auf allen seinen Wegen und der Ewige war mit ihm." Der Mensch soll nicht sein ganzes Vermögen verschenken oder auf heilige Zwecke verwenden und dann seinen Nebenmenschen zur Last fallen. Er verkaufe auch kein Feld, um dafür ein Haus zu kaufen, noch veräußere er ein Haus, um dafür bewegliche Güter anzuschaffen oder Handel zu treiben, wohl aber mag er bewegliche Güter verkaufen, um sich dafür ein Feld anzuschaffen. Im Allgemeinen merke man: ein Jeder strebe sein Vermögen zu sichern, Vergängliches gegen Bleibendes einzutauschen, nicht aber flüchtigen Genuß um große Opfer. Seinen Handel betreibe der Weise mit Wahrheit und Redlichkeit, er bejahe, was zu bejahen, verneine, was zu verneinen ist. Bei den Rechnungen soll er streng gegen sich und freigebig sein, wenn er von Anderen kaust. Er nehme es nicht zu genau und bezahle das Gekaufte sofort, bürge nicht für den Andern, übernehme für ihn keine Zahlungspflichten und trete nicht als Bevollmächtigter auf. Im Handel lege der Weise sich keine anderen Pflichten auf, als die, welche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.