Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 aber nach der Menge, die in Finsternis wandelt, sich richtet, wird auch solche Kinder haben. Die Weisen sollen besondere Keuschheit beobachten. Der Weise schreie und lärme nicht, wenn er spricht, wie das Vieh und Wild. Er erhebe auch seine Stimme nicht allzusehr, sondern rede sanft mit Jedermann. Wenn er mit Sanftmuth spricht, möge er bedacht sein, darin nicht so weit zu gehen, daß seine Worte, den Anstrich des Hochmuthes annehmen. Man grüße Jedermann zuerst, um sich Wohlgefallen zu erwerben, beurtheile Jeden nach der besten Seite, erzähle von der Ehre seiner Nebenmenschen, nie aber von deren Schande, liebe den Frieden und strebe danach. Er spreche, wenn er merkt, daß seine Worte fruchten und gehört werden, schweige aber, wenn das Gegenkheil der Fall ist. Er suche Nienianden während seines Zornes zu besänftigen; er befrage einen Gelobenden wegen seines Gelübdes, so lange nicht, bis er seine kalte Ueberlegung und Ruhe hat, spreche keinen Trost, wenn die Leiche noch vor Augen liegt, da der Leidtragende bis zur Beerdigung zu sehr bestürzt ist und Ähnl. m. Er soll nicht Zuschauer sein, wenn der Nächste einen Fehltritt begeht, sondern wende vielmehr sein Auge davon, er ändere das gegebene Wort nicht, weder erweitere noch beschränke er es, ausgenommen wegen Friedensstiftung und in ähnlichen Fällen. Allgemein gewöhne man sich nur weise Gespräche zu führen, die eine Wohlthat oder dgl. bezwecken. Man unterhalte sich nicht mit einem Weibe auf öffentlichem Markte, selbst nicht mit seiner eigenen Frau, Schwester oder Tochter. Ein Weiser gehe nicht in steifer Haltung und mit gerecktem Halse, wie es heißt: „sie gehen mit ausgestrecktem Halse und mit winkenden Augen." (Jesaia 3.) Er gehe nicht wie die Weiber und Hochmüthigen, langsam, Schritt für Schritt; wie es (ibid) heißt: „sie gehen tänzelnd einher und klirren mit ihren Füßen." Er laufe auch nicht auf der Straße, wie ein Wahnsinniger, sondern halte den Blick gesenkt, wie bei dem Gebete und auf der Straße wie ein beschäftigter Mann. Auch aus dem Gange des Mannes läßt sich erkennen, ob er klug und bescheiden, ein Weiser oder ein Narr sei. So lehrt auch der weise Salomo (Koh. 10): „Auf welchem Wege auch der Narr geht, fehlt ihm sein Verstand und er sagt von Jedem, er sei ein Narr, er selbst sagt es selten, daß er ein Thor ist." Das Gewand des Weisen soll anständig, rein, fleckenlos sein. Er kleide sich weder königlich iu Gold und Purpur, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, noch bettelhaft, um Verachtung auf sich zu ziehen, sondern mittelmäßig und anständig. Seine Haut darf sich durch den Stoff nicht sehen lassen, wie bei den feinen, in Aegypten gearbeiteten Leinen, noch sollen sich seine Kleider auf der Erde schleppen, wie bei den Hochmüthigen, sie sollen stets nur bis an die Ferse, die Aermel nnd bis an die Fingerspitzen reichen. Er lasse seinen Gebetsmantel nicht herabhängen, weil dies Stolz verräth, mit Ausnahme am Sabbat, wenn er keinen anderen zu wechseln hat. Im Sommer nehme er keine sehr ge-