Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1?4 „Unsere Volkstradition erzählt, daß noch jetzt alljährlich an diesem verhängnisvollen Tage der Tempelzerstörung ein Fuchs den Berg Juda oder den Berg Edom hinuntersteigt und über die Westwand setzt, in Erfüllung jenes Wortes, das der Prophet Jeremia sprach; dämm ist auch unser Herz so betrübt und unsere Augen sind finster geworden, um des Berges Zion willen, daß er so wüste liegt, daß die Füchse darüber hinlaufen. „Und in unserem Talmud wird noch folgendes hinzugefügt: Einst spazierte Rabbi Akiba, jener feurige Patriot, der so viele Täuschungen erlebte, mit seinen Freunden in der Umgebung des Tempelberges, da gewahrten sie plötzlich einen Fuchs, der an dem heiligen Berge vorbeilief. Jene brachen in Thränen aus, er aber lachte. „Rabbi, weshalb lachst Du?" fragten seine bestürzten Genossen. „Und warum weint Ihr?" fragte er sie. „Wie sollten wir nicht weinen, wenn wir den heiligen Tempel zerstört liegen sehen und seine Trümmer den Füchsen Höhlen bieten." „Eben deshalb freue ich mich," sagte Rabbi Akiba. „In der heiligen Schrift lesen wir: „Und ich berufe mich auf zwei Zeugen, Uria und Sacharin " Es fragt sich nun, welche Gemeinschaft haben denn diese beiden Propheten? Einer von ihnen prophezeite den Juden den Untergang und die Vertreibung, der andere die Errettung und das Wiederaufblühen. Die Weissagung des ersteren ist, wie wir sehen, in Erfüllung gegangen, aber ist denn das ein Unterpfand dafür, daß die Prophezeiung des Letzteren Wahrheit werde? Wir wollen uns dem Glauben und der Hoffnung hingeben", schloß Rabbi Akiba mit Donnerstimme — „denn darin nur besteht unsere ganze Glaubenskraft, unser das ganze Leben füllender Gedanke. Amen!" „Amen! Amen!" erscholl ein mächtiges Echo auf dem Tempelberge. „Amen! wiederholte ein Bergecho auf dem ganzen Gebirge Zion und hallte rings um den Berg Juda, bis an den Fuß des Libanon. * * * Der Redner war zu Ende. Die Menge ging auseinander. Ich stand noch lange und schaute, gelehnt an die Westwand, ergriffen von einem ivunderlichen, unbeschreiblichen Gefühle, in die weite, blaue Ferne. Meöer Moses Maimonides. Aus einer demnächst erscheinenden Monographie von Herman K a h a n- (Schluß.) „Wer", sagt Maimonides weiter, „so verfährt, hat nicht nur seine Seele geheiligt, sich geläutert und seine Sinne geordnet, sondern seine Kinder werden schön, keusch, schamhaft und empfänglich für Weisheit und Frömmigkeit sein. Wer