Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 so betreffe es die Weisheit, oder solche Dinge die die Lebensbediirfnisse erfordern. Man erzählt von Rab, dem Jünger Rabbi's des heiligen, daß er sein Lebelang kein unnützes Wort gesprochen. Es wird damit solches Gespräch, wie die meisten Menschen es zu führen gewöhnt sind, gemeint Selbst über körperliche Bedürfnisse, spreche der Mensch nicht viel, sondern denke an den Spruch der Weisen: Wer zu viel redet, verursacht Sünde, und nichts ist für den Körper vortheilhafter, als Schweigen. Auch bei der Beschäftigung mit der heiligen Lehre und mit den Wissenschaften, suche er in wenig Worten, Vieles zu sagen, was die Weisen mit den Worten: „Stets unterrichte deine Schüler in Kürze" ansdrücken. Viele Worte und wenig Sinn zeugen von Thorheit, was auch das Schriftwort: „Der Traum kommt durch viele Geschäfte und die Sinne der Narren durch viele Worte" (Kohelet 5) andeutet. Der Zaun der Weisheit ist das Schweigen. Man eile deshalb nicht mit der Antwort. Spreche nicht viel und unterrichte die Schüler ruhig und gelassen, nicht mit schreiender Stimme und nicht mit langen Phrasen. Dies ist, was Salomo meint: „Die Worte der Weisen werden in der Stille gehört." (Koh. 9.) Der Mensch soll sich weder an Schmeichelworte gewöhnen, noch verlockende Reden aneignen. Nicht anders mit dem Munde sprechen, als er im Herzen denkt. Sein Inneres, entspreche seinem Aeußeren. Der Gedanke des Herzens, sei das Wort des Mundes. Nie lasse er Jemanden in seiner Meinung sich täuschen, selbst einen Götzendiener nicht. So z. B. soll man einen Heiden nicht Fleisch von einem Aas, für nach dem jüdischen Ritus geschlachtetes, einen Schuh vom Leder eines gefallenen Thieres, für das Leder eines geschlachteten veräußern. Ebenso lade man seinen Freund nicht, wenn man weiß, daß er nichts genießen wird, überhäufe ihn nicht mit Freundschaftsbezeugungen, wenn man sicher ist, daß er eine Einladung nicht annehme. Man öffne keine Flasche Wein unter dem Anscheine, als wenn es zu Jemanden's Ehre geschehe, wenn sie auch ohnedies geöffnet worden wäre und dgl. Sogar das geringste Wort der Verlockung und der Täuschung sei vermieden. Vielmehr spreche man aufrichtig, denke edel, und halte das Herz rein von Lug und Trug. Der Mensch soll, weder scherzhaft, noch spöttisch, weder traurig noch trübe, sondern heiter sein. So sagen unsere Weisen, daß „Lachen und Leichtsinn den Menschen zur Ungunst verleiten." Deshalb befehlen sie: ebenso wenig ausgelassen im Scherze, als trübe und traurig zu sein, wohl aber jeden freundlich aufzunehmen. „Sei weder habsüchtigen Gemüthes und gierig nach Scherzen, noch träge und lässig zur Arbeit. Bewahre Dir vielmehr ein genügsames Gemüth und bemühe dich weniger um Erwerb, als um die Lehre. Freue dich auch deines geringen Besitzes. Du sollst nicht zänkisch, neidisch, lüstern und ehrsüchtig sein." Denn so lehren die Weisen: „Neid, Gelüste und Ehrsucht entfernen den Menschen von der Welt." Strebe also bei deinen Meinungen immer nach der Mitte