Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969913--6347-2975709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
166 Sehr vieles ist bis jetzt schon über diesen Geisteshelden geschrieben worden. Von den hebräischen Bearbeitungen wäre zu nennen: „Tauber: „Lsrach raanan“ (Preßburg 1862) eine ebenso formwie geistlose im Einzelnen unzuverlässige Schrift; Holub: „Tauldaus rabenu Mauscbeh ben Maimon“ (Wien 1884) der seinen Stoff nicht kritisch beherrschte. Von Bedeutung ist die von I. H. Weiß (Wien 1881) erschienene hebräische Biographie des Maimonides, die als eine sehr lehrreiche kritische Arbeit die anderen weit hinter sich zurückläßt. Nicht dasselbe kann man Jälin's Schrift über Maimonides (Warschau 1898) behaupten, obschon sie wenigstens den Stoff systematisch zu behandeln anstrebt. Biographieen in deutscher Sprache sind erschienen: Peter Beer: „Leben und Wirken des Rabbi Moses ben Maimon" (Prag 1834), Bernhard: „Die beiden großen Lichter Maimonides und Nachmanides" (Berlin 1835), Geiger: „Moses ben Maimon" (Breslau 1850), Jolowicz: „lieber das Leben und die Schriften Musa ben Maimun's" (Königsberg 1857), Münz: „Maimun's Leben und Wirken" (1882) Jakobsohn: „Maimonides", Mach: „Maimonides" (Wien 1901). Nebstdem besitzen wir in der „Geschichte der Juden" von Prof. Dr. H. Graetz und in Prof. Dr. „Steinschneider's Catalog" Artikel „Moses Maimonides", die ausführlichsten Nachrichten über Maimun's Leben und Wirken. Der gelehrten Tendenz und des hohen Preises wegen aber sind diese Werke für Familien, Laien und Lehrer fast ganz unzugänglich, llub wer wollte, um mit dem Geiste der Zeit fortzuschreiten in den Begebenheiten dieses seltenen Mannes, ein Fremdling bleiben? Welches Volk wollte nicht die Lebensgeschichte seines zweiten Gesetzgebers kennen, der dem Judentume den Stempel des Geistes aufgedrückt, der große Thaten und mächtige Erfolge vollbracht? Sind etwa die Schriften des Maimonides nicht ein Grundstein unserer Religion, nicht ein Arsenal auf dem Boden Israels? Warum sollte nicht jeder die Geschichte unseres zweiten Gesetzgebers genau kennen? Jawohl Maimonides war ein Geist, der hervorragende Charaktere aneiferte, seine historische und philosophische Bildung hat dafür gesorgt, daß die Wissenschaft der Forscher vom Dornengewinde des blinden Fanatismus nicht erdrückt werde. Die schönsten Eigenschaften, Geduld und Ausdauer, besaß er in höchstem Maaße und diesen Eigenschaften verdanken wir die reichsten seiner Erfolge. Die maimonidische Willenskraft hat Menschen bezwungen und Berge versetzt und dadurch hat derselbe für die Culturentwicklung der Menschheit Großes geleistet. In seinem „8exher ha-Madda“ das dem Riesenwerke „mischno tauroh“ oder „jad ha’chsakoh1, vorangeht, einer Arbeit, deren Vollendung zehn Jahre währte, werden Ansichten über Recht, Sitte, Handel und Wandel der Menschen ausgesprochen, die noch heute Beachtung verdienen. „Der Mensch" sagt er*), gewöhne sich zu schweigen und wenn er spricht, ') (Edition Berlin 1862). Hilchot deot Abschn. 2, 4. 11a.