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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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der Stadt, daß das Urteil über diese Frau auf den Tod durch Aufhängen erflossen sei. Ihr Mann eilte unter Weinen und Schreien zu den Metzer Juden; die Kinder begaben sich auf die Gräber ihrer Vorfahren; doch bevor sie noch dort anlangten, hängte man diese Frau auf einen Galgen in der Neustadt und sie starb in heiliger, reiner Unschuld. Der Henker brachte sie auf seinen Wagen und nahm den Weg durch die „güldene Gasse" in der Judenstadt in die Pinkasgasse zu ihrem Hause, begleitet von einer französischen Wache; Tausende von Leuten folgten ihm und raubten und verübten Gewaltthatigkeiten auf dem „Markte" und in der Judenstraße. Unbeschreiblich ist die große Bestürzung, die da war, wie das Klagen und bittere Weinen von allen Fenstern und Häusern herab über die ungerechte That wegen unserer vielen Sünden. Auf Befehl des französischen Befehlhabers, der über die zum Tode Verurteilten gesetzt ist, sollte der Henker die erwähnte Märtyrerin unentgeltlich den Juden herausgeben, daß sie selbe nach ihrem Gebrauche beerdigen und so geschah es, denn die Nacht darauf gingen einige von dein wegen seiner wohlthätigen Thaten heiligen Vereine und einige fromme Frauen und beerdigten sie in Ehren — der Herr räche ihr Blut und ihre Seele sei verbunden in den Bund des Lebens mit den anderen Seelen von Märtyrerinnen*), daß nicht mehr Leid und Drangsal sei in unseren Straßen. — Amen. Am 24. d. M. (22. September) befahl der Hauptmann de Broglie, daß die drei Stadtteile 150000 Gulden geben und zwar die Juden für ihren Teil 24000 Gulden ohne irgend einen Abzug bei Strafe exekutiver Eintreibung. Die Gemeindevorsteher ließen ausrufen, daß jeder 2 „Kapitale" und Kopfgeld wie früher gebe. An demselben Tage verordnete ebenderselbe, daß die Gemeindevorsteher täglich 300 Juden stellen, die auf den weißen Berg — ein weiter Weg außer der Stadt — gehen in die Nähe des Gebäudes, das „Stern"2) heißt, wo man unter einer Tiefe, in einem großen Keller, unzählige Kugeln und Bomben gefunden hatte, und diese auf den Platz des sogenannten „Magazinhauses" zu bringen. Das verursachte Mühe und große Auslagen einen Monat hindurch, da täglich diese Anzahl Juden mit großem Kummer an diese Arbeit gingen. Freitag, am Vorabende des Neuhahrsfestes, (28. September) befahlen Monsieur Chevert von den Franzosen, daß die Einwohner der Stadt' nicht in die Nähe und außerhalb der Stadtthore gehen, um Korn, Weizen und dergleichen zu kaufen, — wodurch die Preise stiegen, — sondern sie sollten ihre Wagen damit auf den Neumarkt und auf die Kleinseite bringen, wo sie es gegen große Strafe um einen billigen Preis zu verkorksen haben. Vom Neujahr ab und weiter kamen tausend Wagen mit Frucht auf den Prager Platz; die Preise waren: 1 Strich Roggen 5 fl.; 1 Strich Mehl 6 fl.; 1 Strich Weizen 6—7 fl.; Grütze 6 fl.; Gerste *) Siehe über diese Formel die gründliche Erörterung Zunzens (z. Gesch. u. Lit. S. 349—354) in der meisterhaften Abhandlung: „Das Gedächtnis der Gerechten." a) Sternwarte.

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