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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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— 154 - licher. Gefängnisse, worin es viele Verschläge, Löcher und Kerker", giebt, geworden. Ein gewaltiger Kampf tobt in seinem Innern. Leiden macht trübsinnig und Trübsinn läßt Gedanken entstehen, die, wenn nicht genug Verstand noch da ist, denselben Widerstand zn leisten, den von den Leiden Heimgesuchten in den Abgrund zu reißen imstande sind. Judenhamlets Los ist derartiger Natur. Selbstmordgedanken tauchen manchmal in seinem Kopfe auf und er sitzt und sinnt, ob es nicht gescheiter wäre, sich selbst anfzugeben und mit einem Schlage allen Leiden ein Ende zu machen. Ist nicht einem Sein, fragt er sich, das voll getränkt mit Qualen und Seufzern ist, ein ruhiges, schweigendes, stillstehendes, unbewußtes Nichtsein vorzuziehen? Ist es nicht besser, sich ein Leid anzuthun und damit mit allen Leiden aufzuräumen? Und er sinnt und sinnt, prüft es mit seinem Verstände, erwägt es mit seiner Vernunft, fragt auch das Herz um einen Rath, was wohl das Bessere sei.. Sein oder Nichtsein? Sein oder Nichtsein? — Das ist hier die Frage: Ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern Des wütenden Geschicks erdulden, oder Sich waffnend gegen eine See und Plagen Durch Widerstand sie enden. Sterben — schlafen, Nichts weiter! — Und zu wissen, daß ein Schlaf Das Herzweh und tausend Stöße endet, Die unser's Fleisches Erbteil, — 's ist ein Ziel Auf's innigste zu wünschen. — — —- Denn wozu ertragen der Zeiten Spott und Geißel, Des Mächtigen Druck, des Stolzen Mißhandlungen Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub, Den Übermut der Ämter und die Schmach, Die Unwert schweigenden Verdienst erweist? Dieser Monolog, der den Ausdruck des Gesammtschmerzes des jüdischen Leidens wiedergiebt, zeugt von der vernunftgemäßen Handlungsweise Judenhamlets. Er handelt nicht leichtsinnig, hastig, unüberlegt, was wohl Gewissensbisse zur Folge hat, sondern er prüft den Sachverhalt, er dringt ein in den Kern der Sache, er erwägt, ob die Ausführung dieser That mit der Vernunft auf gutem Fuße stehen, und das Zustimmungsvotum des Verstandes und Gefühls erlangen kann. Und dies ist es, was ihn zurückhält, das Äußerste zu begehen. Hamlet ist kein Werther. Der scharfsinnige Werther hat ob seiner Lotte seinen Scharfsinn eingebüßt und den Kopf verloren. Er ist unzurechnungsfähig. Er fragt nicht, was er thut. Er thut, ohne zu fragen. Würde er genug Geistesgegenwart besessen habe», sich die Frage „Sein oder Nichtsein?" vorzulegen, so wäre die Entscheidung sicherlich auf „Sein" gefallen und Werther würde unmöglich einen Selbstmord begangen haben. Mark Twain schließt eine Besprechung der Judenfrage mit den Worten: „Das Judenvolk hat alle andern überlebt. Alles ist sterblich, nur nicht der Jude.

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