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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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Was über allen Schein, trag ich in mir; All dies ist nur des Kummers Kleid und Zier. Hier liegt ausgesprochen Judenhamlets Leid und Kummer. Es ist ein Weltschmerz, der in seinem Busen nistet. Er bringt ihn nicht ganz heraus. Er bewahrt ihn still und duldsam in seinem tiefsten Innern. Es glüht gleichsam in seiner Seele ein erhabenes Ideal, ein göttlicher Gedanke, diese abscheuliche in des Satans Tatze» hineingeratene Welt wieder zu erlösen und sie in ihr gehöriges Geleise zu bringen. Er sieht, daß der Mensch, aus dem Eden vertrieben, sich hart an seinem Schöpfer rächte, indem er ihm seine volle sechs Tage Arbeit kostende Welt zur Hölle umwandelte, und er fühlt sich berufen und auserkoren, dieses Höllenfeuer wegzulöschen und die Welt zu verbessern. Er sieht das Boshafte, die Krebsschäden der Welt, „und er wendet sich hin und her und siehe, es ist kein Mann da," der dieses Weltübel erkenne und ihn steure, da betrachtet er die Weltverbesserung als eine einzig ihm zukommende Mission. Und daß sich niemand an dies Ideal klammert, daß er diesen göttlichen Traum einsam und allein austräumen muß, das schmerzt ihn am tiefsten. Die Aufgabe scheint ihm zu groß für seine schwachen Kräfte. Er verzweifelt an seiner Leistungsfähigkeit und wehmütig ruft er aus: Die Zeit ist aus den Fugen: Weh mir zu denken, Daß ich geboren ward, sie einzurenken. Manchmal reißen angesichts herzzerreißender Übelthaten, die die noch unausgerottete Bestialität der Menschheit nicht zu üben scheut, Judenhamlets gespannte Nerven, und er steht einer furchtbaren Entscheidung, die sein Leben gefährdet, gegenüber. Das Gewissen wurmt ihn über jede häßliche That, die ein Anderer verübt. Alle Plagen und Mißhandlungen, alle Pein und Schmach, die über ihn hereinstürmen, empören seine Blutsniolecüle, daß sie rascher vibriren, nicht nur weil sie seine Person, seinen schon genug zerschlagenen Körper berühren, sondern vielmehr, weil sie ein beredtes Zeugnis von Menschenbrutalität, von Menschenniedertracht abgeben. Allmählich reift in ihm die traurige Überzeugung, daß Menschlichkeit, Humanität, dieser Gegenstand seiner Schwärmerei, leeres Geflunker, hohle Phrasen, geschminkte Worte sind, ein Deckmantel bloß menschlicher Bosheit und Grausamkeit, wie Religion manchmal ein Deckmantel finsteren Fanatismus und schrecklichen Aberglaubens ist. Seine Zukunftsträume verfliegen in Nichts, seine Hoffnungen schwinden. Er hoffte, daß es einst besser werden, daß die Welt weltlicher und der Mensch menschlicher werden wirb, und er hat sich arg getäuscht und mit Herzensschmerzen muß er sich in seinem Innern gestehen, daß das, was war, ist; und alles Unrecht und Übel, das er in vergangenen Tagen mit offenen Augen geschaut, noch heute geschieht. Da entringt sich seiner Brust ein schauervvller Seufzer und er klagt bitter: Weh' mir, wehe! Daß ich sah, was ich sah und sehe, was ich sehe! Und er verfällt in Trübsinn. Die Welt ist ihm zum Gefängnis, „zum statt-

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