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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 wärts, wo der Dichter am wenigsten an den Juden gedacht hatte, mit naturgetreuer, genau umrissener Schärfe zum Ausdrucke kam. Shylok ist nichts weniger als Jude, Hamlet ist nichts mehr als ein solcher, bis auf einige unbedeutende psychologische Abstiche. Shylok kann höchstens eine Wucherseele von einem Juden abgegeben, im Hamlet hingegen spiegelt sich die Psyche des gesammten jüdischen Volkes, wie es aus des Schöpfers Hand, gleichsam aus des Unglücks Krallen unter mißlichen Umständen hervorgegaugen ist. Hamlet ist ein Concentrationspunkt, wo sich das Denken und Fühlen, die Klagen und Seufzer eines ob der Weltbosheit herzblutenden, tiefinniglich gekränkten Volkes vereinigen. Judenhamlet ist gekränkt bis auf den Grund seiner Seele. Eine Neurastenie hält ihn umfangen und Schwermut lagert sich um seine Brust, er wird sie nicht sobald los. Tiefwurzelnd ist die Wunde, die er in seiner Brust trägt, und das Schmerzlichste dabei ist, daß sie tief begraben haust und nicht an das Licht der Sonne kommt. Seine Nervengereiztheit ist kein Geburtsfehler, atavistische Vererbung, sondern bittere Lebenserfahrungen, wie sie kein Irdischer je gemacht, haben ihm die Nerven gereizt, das Blut aufgeregt und Schwermut in sein Herz geträufelt. Er hat die Bitternisse des Lebens gekostet und das hat sein Inneres vergiftet; er ist auf dem Lebenspfade an allen stechenden Dornen und Brennesseln vorbei und hat seinen Körper damit verwundet; er hat alle die finsteren, dichtschwarzen Wolken, die die Welt umfangen halten, geschaut, und das hat seine Blicke verdüstert. Noch mehr als das Äußere zeigt, liegt in ihrem Inneren verborgen. Er klagt nicht laut, sondern im Stillen. Der Kummer, der auf dem Antlitz ihm ausgeprägt liegt, ist ein kleiner Abglanz blos des im Innern verborgenen Leidens^ Er ist kein Pessimist aus Grillen, sondern durch arge Lebenserfahrung. Mancher legt sich schwarze Brillen an, die ihm das Licht der Sonnenscheibe verdunkeln und ihm alles düster und dunkel erscheinen lassen. Er aber hat mit klaren, offenen Augen die Verrohung und Niedertracht der Welt geschaut und das hat ihm seine Galle angeschwellt. Sein Pessimismus ist empirisch; er hat ihn nicht aus einem zum trüben Brüten veranlagten Gehirn, sondern frei aus der Schule des Lebens geholt. Jenen» scheint blos alles düster, ihm, dein Dänenprinzen und Judenhamlet ist es düster. Scheint? Nein! ist; mir gilt kein „scheint". Nicht blos mein düst'rer Mantel, . . . Noch die gewohnte Tracht von ernstem Schwarz, Noch stürmisches Geseufz beklemmten Odems, Noch auch im Auge der ergieb'ge Strom, Noch die gebeugte Haltung des Gesichts Sammt aller Sitte, Art. Gestalt des Grames Ist das, was »vahr mich kundgiebt; derlei freilich scheint: Es sind Geberden, die man spielen könnte.

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