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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 ihn die Engländer zum Engländer machen und in ihm das treue Spiegelbild des großen Briten selber erkennen und Freiligrath singt: Deutschland ist Hamlet! ernst und stumm, In seinen Thoren, jede Nacht Geht die begrabene Freiheit um Und winkt den Männern auf der Wacht. Als Hamlet modern zu sein anfing, drängte sich jeder an ihn und wollte ihn an sich reißen. Nur der Jude ist mit einer großen Ehrfurcht seitwärts gestanden und hatte sich an den Dänenprinzen heranzuwagen nicht getraut. Das sollte man zu den Merkwürdigkeiten zählen. Einen Gegenstand, auf den jeder, der nur etwas über Weltunthaten jammern und über Weltunordnung klagen konnte, unausgesetzt Jagd machte, sollte allein der Jude, der überallhin seine Hände reckt, gleichgiltig fahren lassen und ihn nicht für sich zu nutzen wissen? Ein allgemeines Ausbeutungsobject, davon jeder Capital herauspreßte, sollte gerade der von aller Welt als Ausbeuter Verschrieene nicht auszubeuten wissen? Aber nach längerem Zögern hat sich der Jude doch entschlossen, aus der Shylokrolle heraus in die Hamletfigur hinein sich zu transponieren, und gleich dem dentschnationalen Freiligrath ruft der jüdischnationale Leo Raphaels: Hamlet ist das Judentum! Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Ahasver hat sich thatsächlich als Hamlet entpuppt. Hamlet ist nicht nur das Judentum im engeren Sinne, sondern das Judentum im Ghetto, ja ein Ghettojude selbst. Seine trüb- und tiefsinnigen Weltanschauungen, seine herzzerreißenden Seufzer scheinen aus ven dumpfen, mit schädlichen Miasmen gefüllten Ghettomauern herauszutönen. Wie schildert doch Ophelia die außergewöhnliche Erscheinung Hamlets: „Mit ganz aufgeriffenem Wams . . . Die Strümpfe schmutzig und losgebunden auf den Knöcheln hängend, bleich wie sein Hemde, schlotternd mit den Knieen: mit einem Blick von Jammer so erfüllt ..." Ist dies nicht die unverfälschte Physiognomie eines Ghettojuden, wie er leibt und lebt? Braucht's denn vieler Mühe, einen solchen Judenhamlet in den kotigen, schmutzigen Gäßchen Rußlands und Galiziens anzutreffen? Shakespeare wollte einen Juden zeichnen und er glaubte ihn in seinem entstellten Shylok, jenem Arier seiner Erzählung Boccacios', der in der Schöpferhand Shakespeares zum Semiten umgewandelt wurde, zu finden, ohne zu ahnen, daß er bereits den Juden mit den feinsten Pinselstrichen, mit den ausgeprägtesten Schattin rungen im Hamlet aufs Tableau gebracht hatte. Manche Arbeit, an die man sich mit vorgczeichnetem Entwurf und kaltem Ernst macht, will durchaus nicht gelingen, während sie zufälligerweise, ohne mit Bewußtsein darauf hinzuarbeiten, auf's gelungenste hervortritt. Das war bei der Judenbezeichnung Shakespeares der Fall. Die planmäßige, absichtliche Meiselung eines Juden mißlang, während sie ander-

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